Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Neue Ansätze in der Stadtentwicklung werden gefordert, um Städte in nachhaltige Orte zu transformieren. Das erfordert u. a. eine Verdichtung der Städte, die kaum denkbar ist ohne eine Zunahme der Geräuschentwicklung – meist in Form von Lärm. Um eine Akzeptanz für die Verdichtung zu erreichen, sind qualitätsvolle, gesundheitsförderliche akustische städtische Räume erforderlich. Hierfür bedarf es Ansätze, die über reine Lärmminderungsmaßnahmen hinausgehen. Ausgehend von der Frage: „Was hält gesund?“, ist eine Perspektive, die auf eine gesundheitsförderliche städtische Klangqualität bzw. auf eine positiv bewertete akustische Umgebung zielt, erforderlich. Geräusche können als gestaltbare Qualität in urbanen Räumen als eine wichtige Ressource für eine gesundheitsförderliche Stadt verstanden werden. Hierfür werden über die schallpegelbasierten Indizes hinaus weitere Metriken benötigt, die eine gute urbane Klangqualität indizieren können. Wissen, Forschung und Anwendung zu urbaner akustischer Qualität, insbesondere mit Blick auf Gesundheit, befinden sich noch in den Anfängen. Für Urban Public Health schlagen wir eine Perspektiverweiterung durch die Verknüpfung und systematische Anwendung von zwei verschiedenen Soundscape-Ansätzen vor. Der vorliegende Beitrag gibt einen kurzen Überblick zu den Begriffen „Lärm“ und „Geräusche“, stellt zwei Ansätze der Soundscape-Forschung vor und legt anschließend Ziele und Methodik des Pilotprojektes SALVE („akustische Qualität und Gesundheit in urbanen Räumen“) zum Thema akustische Qualität in urbanen Räumen dar. Insgesamt wird ein Einblick in das neue Forschungs- und Praxisfeld von urbaner Klangqualität, Soundscapes und Stadtgesundheit gegeben.

  2. Zusammenfassung

    Die Gesundheitsberichterstattung (GBE) nutzt Daten, Indikatoren und wissenschaftliche Erkenntnisse, um die gesundheitliche Lage der Bevölkerung und die maßgeblichen Einflussfaktoren zu beschreiben. Mithilfe der GBE soll eine Informationsgrundlage für rationale politische Entscheidungen im Gesundheitsbereich geschaffen werden. Die GBE ist national, aber auch auf Ebene der Länder und Kommunen verortet. In diesem Artikel werden die gesetzlichen Grundlagen für die GBE in den Gesundheitsdienstgesetzen der Länder sowie aktuelle Herausforderungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten aus der Perspektive der Landes- und kommunalen GBE beschrieben.

    Die gesetzliche Grundlage für eine Landes- und kommunale GBE ist in fast allen Ländern gegeben. Der Detailliertheitsgrad der Landesgesetze bezüglich der Zuständigkeit, der Periodizität, der inhaltlichen Vorgaben und des Verwendungszwecks variiert jedoch erheblich. Die GBE muss auf vielfältige Herausforderungen im Bereich der Ressourcen für die GBE, der Datengrundlagen, der (ressortübergreifenden) Berichterstattung und des Impacts reagieren. Praxisbeispiele illustrieren, wie den Herausforderungen begegnet und wie die GBE weiterentwickelt und verbessert werden kann.

    Aufgrund der gesetzlichen Verankerung der Landes- und kommunalen GBE, ihres Routinecharakters und einer Verortung nah an den Lebenswelten der Menschen hat die GBE die Möglichkeit, Public Health an der Basis mitzugestalten und ein Wegbereiter für mehr gesundheitliche Chancengleichheit zu sein.

  3. Zusammenfassung

    Die Berichterstattung zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in Deutschland hat eine lange Tradition, wobei im ersten „Unfallverhütungsbericht Arbeit“ aus den 1960er-Jahren diese zunächst auf Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten fokussierte. Die im Arbeitsschutz geltende Maxime der menschengerechten Arbeitsgestaltung und der Wandel der Arbeitswelt forderten in der Vergangenheit und fordern in Gegenwart und Zukunft aber verschiedene inhaltliche Erweiterungen und Veränderungen. Nicht zuletzt, um diesen Anforderungen nachkommen zu können, werden neben den verfügbaren amtlichen und Prozessdaten inzwischen auch verstärkt Befragungen von Erwerbstätigen berücksichtigt, die Einblicke in die individuellen Arbeitstätigkeiten und Befindlichkeiten erlauben.

    Bei der Berichterstattung zu Sicherheit und Gesundheit und der Gesundheitsberichterstattung gibt es einige Überschneidungen, z. B. nutzen sie zum Teil die gleichen Daten, aber auch substanzielle Unterschiede. Neben Unterschieden in der Berichterstattung liegt die wohl größte Differenz in der zu betrachtenden Gruppe, die in der Gesundheitsberichterstattung deutlich vielfältiger ist.

    Die größte Herausforderung für die Arbeitsweltberichterstattung liegt im (stetigen) Wandel der Arbeitswelt, der durch technische Entwicklungen auch strukturelle Veränderungen in der betrieblichen Zusammenarbeit bewirken kann. So kann z. B. orts- und zeitflexibles Arbeiten dafür sorgen, dass nicht nur die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen virtuell stattfinden muss, sondern auch die Anforderungen an Führungskräfte sich fundamental verändern. Erhebungsmethoden und Berichterstattungen müssen sich hier den Gegebenheiten anpassen.

  4. Zusammenfassung

    Die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Gesundheit werden schon seit der Antike thematisiert. Seit Ende der 1970er-Jahre wird die Bedeutung außermedizinischer Determinanten der Gesundheit wieder verstärkt in den Blick genommen. Ziel des Beitrags ist es, die Entstehung wichtiger neuer Konzepte der letzten 40 Jahre nachzuzeichnen, ihr Verhältnis zueinander zu klären und darauf aufbauend das Konzept der „Nachhaltigen StadtGesundheit“ (Sustainable Urban Health) darzustellen. Dazu erfolgten eine Sekundäranalyse und die Interpretation relevanter Dokumente und einschlägiger Literatur.

    Nach einer Einführung mit illustrativen Beispielen der Behandlung des Themas „Stadt und Gesundheit“ wird gezeigt, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit den 1970er-Jahren mit den Konzepten „multi- bzw. intersektorale Aktionen“, „gesundheitsfördernde Gesamtpolitik“ und „Gesundheit in allen Politikbereichen“ maßgeblich den neuen Public-Health-Diskurs unterfüttert hat. „Nachhaltige StadtGesundheit“ steht in dieser Tradition und wird hier als Programm der Blickfelderweiterung und des Brückenbaus zwischen Disziplinen und Sektoren charakterisiert. Folgend wird es durch eine Hamburger Initiative exemplarisch illustriert.

    Die WHO-Konzepte stellen eher unterschiedliche Akzentuierungen dar, als dass sie sich substanziell unterscheiden. Health in All Policies (HiAP) liegt auf der Linie der Menschrechtsdeklaration und der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen; es hat den Eingang sowohl in die WHO- als auch in die Politik der Europäischen Gemeinschaft geschafft. Für das Ziel von „Nachhaltiger StadtGesundheit“, synchron Gesundheit und Nachhaltigkeit in der Stadtgesellschaft zu fördern, ist weitere Entwicklungsarbeit zu leisten.

  5. Im Anhang der Originalpublikation dieses Beitrags wurde im „Impfplan für Kinder/Jugendliche nach allogener/autologer Stammzelltransplantation“ der Zeitpunkt der 3. HPV-Impfstoffdosis nach allogener SZT fälschlicherweise zum Zeitpunkt „17-18“ Monate nach SZT dargestellt. …

  6. Zusammenfassung

    Stadtleben geht mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe an psychischen Erkrankungen einher. Dabei scheint ein stressabhängiger Entstehungsmechanismus eine wesentliche Rolle zu spielen. Bisherige Daten deuten auch auf eine höhere Responsivität des Gehirns von Stadtbewohnern auf sozialen Stress hin. Gleichzeitig leben Stadtbewohner unter durchschnittlich günstigeren Bedingungen mit leichterem Zugang zu Bildung, persönlicher Entfaltung, Gesundheitsversorgung und kultureller Vielfalt. Es ist davon auszugehen, dass eine höhere chronische soziale Stressexposition in der Stadt gemeinsam mit anderen Risikofaktoren (soziale, psychologische oder genetische) zum pathogenen Faktor werden kann, vor allem wenn der Zugang zu den resilienzfördernden Ressourcen der Stadt erschwert ist. Welche sozialen Gruppen besonders gefährdet sind und welche stadtplanerischen und stadtpolitischen Maßnahmen sozialem Stress entgegenwirken und sich als gesundheitsprotektiv auswirken, bleibt zu erforschen. Hierzu appellieren wir zu einem interdisziplinären Forschungsansatz, der Stadtforschung, Medizin und Neurowissenschaften miteinander verbindet und transdisziplinär den Wissensaustausch mit Politik, Zivilgesellschaft und Bürgern praktiziert. Angesichts einer weltweit rasant voranschreitenden Urbanisierung besteht hier dringender Forschungs- und Handlungsbedarf.

  7. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Hitzeextreme sind eines der greifbarsten gesundheitlichen Risiken des Klimawandels. In der Prävention setzt Deutschland auf Bund/Länder-Handlungsempfehlungen für Hitzeaktionspläne sowie auf Förderprogramme, mit denen entsprechende Maßnahmen unterstützt werden.

    Ziel der Arbeit

    Es interessierte, welche Maßnahmen und Projekte zur Prävention von hitzebedingter Mortalität und Morbidität in Deutschland durchgeführt wurden.

    Material und Methoden

    In einer Datenbank- und Internetrecherche wurden Aktivitäten und Projekte seit dem Jahr 2003 identifiziert, die sich mit Hitze und menschlicher Gesundheit befassen. Ausgeschlossen wurden Projekte, die sich nur indirekt mit menschlicher Gesundheit befassen. Erfasst wurden u. a. Bundesland und Förderer sowie, welche Kernelemente von der Maßnahme adressiert sind.

    Ergebnisse

    Von den 190 in den Bundesländern und auf Bundesebene identifizierten Projekten lassen sich 19 dem Stichwort „Hitzeaktionsplan“ zuordnen, wobei darunter heterogene Aktivitäten verstanden werden. Die einzelnen Maßnahmen umfassten teilweise mehrere Kriterien der Handlungsempfehlungen des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen. 70,0 % befassten sich mit der Stadtplanung und dem Bauwesen, 37,4 % mit Information und Kommunikation, 24,2 % mit vulnerablen Gruppen, 17,9 % mit der Reduzierung von Hitze in Innenräumen, 15,3 % mit der Nutzung eines Hitzewarnsystems, je 13,7 % mit einer zentralen Koordinierung und interdisziplinären Zusammenarbeit und der Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme und 5,3 % mit dem Monitoring und der Evaluation der Maßnahmen.

    Diskussion

    Die Anzahl von Maßnahmen und Projekten in Deutschland ist erheblich. Dennoch bleibt unklar, ob damit die Kriterien eines wirksamen mittel- und kurzfristigen Schutzes erfüllt sind.

  8. Zusammenfassung

    Städte werden durch verschiedene Merkmale charakterisiert, von denen Dichte ein aus gesundheitlicher Sicht besonders bedeutendes ist. Am Beispiel der Gesundheitsdeterminanten Lärm, Grün- und Freiflächen sowie gesundheitliche Versorgung wird dargestellt, dass Stadt als sich stetig verändernder Raum zu verstehen ist, der nur unter Beachtung der Wechselwirkungen seiner baulichen und sozialräumlichen Gestalt sowie gesellschaftlichen Gestaltung verstanden werden kann. Es werden verschiedene Stadttypen aufgezeigt und Leitbilder der Raum- und Stadtentwicklung aus gesundheitlicher Perspektive beschrieben. Eine Auseinandersetzung mit Instrumenten der Stadtentwicklung und des planerischen Umweltschutzes zeigt die Möglichkeiten zur Beeinflussung von Gesundheitsdeterminanten auf kommunaler Ebene auf. Partizipation von Öffentlichkeit und Stakeholdern spielt in lokalen Lebenswelten eine besondere Rolle. Der Beitrag zeigt auf, dass die Potenziale für eine gesundheitsfördernde Stadtentwicklung gegeben, aber vielfach noch nicht ausgeschöpft sind.

  9. Zusammenfassung

    Der Mensch steht in ständiger Wechselwirkung mit seiner Umwelt. Führt diese Interaktion zur individuellen Verinnerlichung der Umwelt, die in der Psychologie als „Aneignung“ bezeichnet wird, wirkt sie sich positiv auf seine Gesundheit und sein Wohlbefinden aus. Zur Förderung der Aneignung muss Stadtarchitektur auf menschliche Bedürfnisse reagieren. Das PAKARA-Modell, das im Jahr 2019 an der Technischen Universität München entwickelt wurde, verdeutlicht die dynamische Interaktion dieser Bedürfnisse mit der Stadtarchitektur und unterscheidet dabei die 3 Sektoren präventiver, kurativer und rehabilitativer Architektur.

    Im Artikel werden neben dem Modell 3 zentrale Bedürfnisse in ihrer gesundheitsförderlichen Sättigung beziehungsweise gesundheitsschädlichen Über- und Untersättigung durch die Stadtarchitektur exemplarisch erläutert: Stimulation, Identifikation und Privatheit. Schlussfolgernd zeigt sich, dass die zukünftige Herausforderung darin besteht, vor dem Hintergrund des drastischen Anstiegs der weltweiten Stadtbevölkerung und der damit verbundenen Komplexität bedürfnisorientierter Gestaltung den Weg enger interdisziplinärer Zusammenarbeit auszubauen. Die Bedürfnisse des Einzelnen sind – auch wenn sie einander widersprechen und sich im Laufe des Lebens wandeln – der Motor der Gesundheit einer ganzen Gemeinschaft. Stadtarchitektur hat das Potenzial, diesen Motor in Gang zu halten oder zu zerstören.

  10. Zusammenfassung

    Umweltbedingungen beeinflussen im Zusammenspiel mit anderen Faktoren wie dem Erbgut, der Lebensweise oder dem sozialen Umfeld die menschliche Gesundheit. Erdbeobachtung aus dem All liefert Daten, die unterschiedlichste Ausprägungen von eben diesen Umweltbedingungen aufzeichnen und es ermöglichen, diese räumlich zu quantifizieren. Anhand zweier Beispiele – Verfügbarkeit von Frei- und Erholungsflächen sowie Luftschadstoffbelastungen – werden in diesem Beitrag Potenziale der Erdbeobachtung für Studien zur Gesundheit vorgestellt. Darüber hinaus werden Anwendungsmöglichkeiten für gesundheitsrelevante Fragestellungen diskutiert. Dafür versuchen wir Eckpunkte für einen interdisziplinären Ansatz zu skizzieren, der den konzeptionellen, datentechnischen und ethischen Herausforderungen gerecht wird.

  11. Zusammenfassung

    Umgebungslärm ist eine große Belastung für die Menschen in Deutschland, insbesondere im urbanen Raum. Häufig sind mehrere Schallquellenarten für die Belastung verantwortlich. Die andauernde Belastung kann verschiedene und weitreichende gesundheitliche Auswirkungen haben wie Lärmbelästigung, Schlafstörungen, ischämische Herzerkrankungen und Depressionen. Zusätzlichen Belastungen entstehen z. B. durch Feinstaub oder Luftschadstoffe. Um den Herausforderungen im urbanen Raum zu begegnen, lassen sich verschiedene Maßnahmen und Instrumente beschreiben und diskutieren. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über wichtige gesundheitliche Folgen einer langfristigen Geräuschbelastung, thematisiert die verbundenen Herausforderungen im städtischen Raum und zeigt Möglichkeiten zur Lärmminderung auf.

  12. Zusammenfassung

    Mobilität ist Voraussetzung für die Erfüllung wesentlicher Bedürfnisse des Menschen. Arbeit, Bildung, soziale Teilhabe: All diese Aktivitäten bedeuten, dass regelmäßige Wege zurückgelegt werden müssen. Gerade in Städten zeigen sich aber auch die „Nebenwirkungen“ von Mobilität wie Verkehrsstaus, Unfälle, Luftverschmutzung, Lärm und die daraus resultierenden Gesundheitswirkungen.

    Die Planung von Siedlungsstrukturen, die dafür erforderlichen Erschließungsinfrastrukturen und die Gestaltung städtischer Räume sind Aufgaben der Stadtplanung. Stadtplanung kann einen maßgeblichen Einfluss darauf nehmen, welche Verkehrsmittel Menschen wählen, welche Distanzen sie überwinden und welche Umwelt- und Gesundheitswirkungen damit verbunden sind.

    Der Beitrag geht der Frage nach, wie Stadtplanung insbesondere die aktive Mobilität fördern kann, die Nutzung des Fahrrads und den Fußverkehr. Er stellt zunächst die grundlegenden Wirkungen von Alltagsmobilität und dem daraus resultierenden Verkehr auf die Gesundheit dar. Daran anschließend gibt er einen Überblick, welche Potenziale in Deutschland für die Förderung aktiver Mobilität bestehen und wie Stadtplanung und die durch sie regulierten Faktoren wie Siedlungsdichte oder Nutzungsmischung auf Mobilitätsentscheidungen wirken. Anhand eines Überblicks aktueller Initiativen und einer vertieften Analyse von Strategien in den Städten Barcelona und Bogotá wird aufgezeigt, welche Instrumente und Maßnahmen genutzt werden.

    Der Beitrag verdeutlicht: Stadtplanung und die durch sie geschaffene gebaute Umwelt können Fuß- und Radverkehr fördern. Die Beispiele zeigen auch auf, dass Erfolg versprechende Initiativen nicht allein durch räumliche Planung und Schaffung von Infrastruktur realisiert werden. Vielmehr handelt es sich um sektorenübergreifende Maßnahmen, die einen Wandel der Mobilitätskultur in Städten zum Ziel haben.

  13. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Menschen sind im Zuge des Klimawandels immer stärker von Hitze und deren negativen gesundheitlichen Auswirkungen betroffen. Oftmals wird die Lufttemperatur als Maßzahl verwendet. Um jedoch Auswirkungen von Hitze auf den Menschen zu charakterisieren, müssen neben der Lufttemperatur weitere Faktoren berücksichtigt werden.

    Ziel der Arbeit

    Ziel dieses Beitrags ist es, den Hitzestress von Bewohnern in Städten mithilfe der Gefühlten Temperatur während Hitzewellen zu charakterisieren und mit derjenigen von Bewohnern auf dem Land zu vergleichen sowie Unterschiede zur Lufttemperatur hervorzuheben.

    Material und Methoden

    Daten der Stadtstation Freiburg und der Station Freiburg-Flugplatz für 2019 des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden für die Analyse der Lufttemperatur sowie für die Berechnung der Gefühlten Temperatur mithilfe des Klima-Michel-Modells für Freiburg verwendet. Zusätzlich werden die Hitzewarntage für Freiburg dargestellt und die nächtlichen Bedingungen der Innenraumtemperaturen des Hitzewarnsystems analysiert.

    Ergebnisse und Diskussion

    Die Gefühlte Temperatur übersteigt die Lufttemperatur während Hitzewellen um bis zu 10 °C. Während der klassische Wärmeinseleffekt anhand der Differenz der nächtlichen Lufttemperatur hoch und tagsüber gering ist, ist bei der Gefühlten Temperatur die Differenz nicht nur nachts, sondern auch tagsüber deutlich höher.

    Fazit

    Um negative Auswirkungen zu quantifizieren, wird nicht nur die Lufttemperatur benötigt, sondern auch die Kenntnis über weitere Faktoren, die den Hitzestress beschreiben und steuern. Stadt-Land-Unterschiede bei Lufttemperatur und Gefühlter Temperatur bilden eine gute Möglichkeit der Quantifizierung von Hitze. Anpassungsmaßnahmen in Städten unter Berücksichtigung des Hitzestresses für Menschen sind notwendig.

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