Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Die Mind-Body-Medizin (MBM) basiert auf der Annahme, dass über Interaktionen zwischen Gehirn, Geist, Körper sowie dem Verhalten gesundheitsförderliche Wege – hin zu einer besseren Gesundheit – aktiviert werden können. Sie beinhaltet verhaltensmedizinische Ansätze und Techniken aus den Bereichen Bewegung, Entspannung, Stressregulation und Ernährung. Die MBM ist im US-amerikanischen Gesundheitssystem etablierter Bestandteil der medizinischen Versorgung. Dieses schließt gleichfalls eine Erforschung ihrer Mechanismen ein. Auch in Deutschland werden immer mehr Interventionen und Therapieangebote unter diesem Oberbegriff zusammengefasst.

    In diesem narrativen Übersichtsbeitrag soll die Entstehung der MBM im Kontext historischer Entwicklungen beleuchtet werden, auch vor dem Hintergrund der seit den 1970er-Jahren aufkommenden Meditationsforschung sowie der wissenschaftlichen Erkundung des Stressphänomens. Bezüge zur Grundlagenforschung inkl. neurobiologischer Belohnungs‑/Placebophysiologie sollen dargestellt werden. Abgrenzungen zur Psychotherapie sollen vorgenommen, ein Handlungskonzept soll vermittelt werden.

    Die MBM steht im Zusammenhang mit Gesundheitsförderung und Therapie chronischer, insbesondere lebensstilassoziierter Erkrankungen. Sie basiert auf dem Salutogeneseansatz, d. h. auf einem Paradigma, das der Erkundung und Stärkung von Gesundheitsschutzfaktoren und Widerstandsressourcen dient (individuelle Resilienz- und Kohärenzfaktoren) sowie eine Reduktion von Belastungen anstrebt. Dieser Ansatz entspricht dem Selbstheilungs- oder Selbstfürsorgeprinzip. Neurobiologisch ist sie mit dem Placeboeffekt verbunden. MBM-Interventionen folgen typischerweise dem „BERN-Modell“ (Behavior-Exercise-Relaxation-Nutrition).

    Als Aktivator von Potenzialen der Selbstheilung und Gesundheitsfürsorge kann die MBM professionell trainiert und gestärkt werden. Hier kommen „Experten der Gesundheitsförderung“ zum Einsatz.

  2. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2019

    https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-019-03058-x

    In der Originalpublikation des Artikels ist ein Fehler in der Methodendarstellung im Text und in der Zusammenfassung und in der veröffentlichten Tab. 2 aufgetreten.

    Innerhalb des Methodenteils wurde fälschlicherweise

  3. Zusammenfassung

    Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist heute das umfassendste, weltweit am weitesten verbreitete traditionelle Medizinsystem.

    Ursprünglich erschien die TCM in unserem westlichen Kontext als ein seltsames, mythologisches Gebilde, jedoch wurde durch die Überwindung der sprachlichen Hürden ein Verständnis möglich. Physiologie, Diagnostik und die klinische Anwendung wurden anwendbar und validierbar.

    Im Jahr 1998 wurde durch das US-amerikanische National Insitute of Health erstmals eine Konsensuskonferenz zur Akupunktur durchgeführt. Seither werden Akupunktur und die TCM allgemein durch methodologisch gute Studien erforscht. Für die Akupunktur gibt es bereits Evidenz für die Wirksamkeit über Schmerztherapie und Allergie hinaus. Auch werden die Wirkmechanismen der Akupunktur bspw. durch Studien mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) besser verstanden.

    Auch für die chinesische Arzneitherapie (TCA) gibt es für einige Bereiche positive Metaanalysen und Studien. Hier besteht aber noch in großem Umfang Forschungsbedarf. Es zeigen sich Chancen für die Entwicklung neuer Medikamente und Rezepturen für die (Begleit‑)Behandlung im Bereich von Infekten, Autoimmunkrankheiten, Krebs, Stoffwechsel- sowie dermatologischen und gastrointestinalen Krankheiten.

    Für die weitere Evaluierung der TCM, aber auch für eine integrative, kritische Anwendung in der Praxis der TCM ist eine fundierte Ausbildung von Ärzten dringend erforderlich, eine weitere Institutionalisierung ist für die Patientensicherheit und Orientierung geboten.

    Die TCM scheint aus der Grauzone des rein Mystischen herausgetreten zu sein, sie kann Chancen für eine bessere Patientenversorgung bieten. In vielen Teilen besteht und wächst die Evidenz für TCM, es ist aber weiter dringend umfassende Forschung erforderlich. Diese sollte unabhängig gefördert werden.

  4. Zusammenfassung

    Viele medizinische Technologien kommen großflächig zum Einsatz, obwohl empirische Belege zur Wirksamkeit und Sicherheit fehlen. Beispielsweise werden perkutane koronare Interventionen (PCI) häufig bei der chronisch stabilen koronaren Herzerkrankung (KHK) eingesetzt, ohne dass dafür ausreichend Studienevidenz vorliegt. Diese Situation wirft die Frage auf, auf welcher Basis diese Technologien verbreitet und von den Menschen akzeptiert werden.

    Studien zur ärztlichen Kommunikation über die Wirksamkeit von koronaren Interventionen zeigen, dass stark vereinfachende Narrative hierbei eine große Rolle spielen. In diesem Diskussionsbeitrag soll erörtert werden, inwieweit spezifische Narrative zur Verbreitung von Technologien beitragen.

    Fachliche Kommunikation einschließlich der Aus- und Fortbildung hat überwiegend die Form von Narrativen. In der Medizin zeichnen sich diese aus durch eine 1) extreme Vereinfachung, 2) Reduktion auf biologische Prozesse, 3) deterministische Struktur, 4) starke moralische Komponente. Diese Narrative sind grundsätzlich tendenziös; bei Interventionen zeichnen sie ein im Vergleich zur empirischen Evidenz überoptimistisches Bild von Wirksamkeit und Sicherheit. Auch wenn es sich um moderne Technologien handelt, entsprechen die begleitenden Erzählungen teils archaischen Mythen.

    Vermutlich sind ein Überzeugen und Lehren ganz ohne die narrative Struktur nicht möglich. Angehörige von Gesundheitsprofessionen, aber auch Patientinnen und Patienten sowie die allgemeine Öffentlichkeit müssen sich jedoch klar darüber sein, welches Verzerrungs- und Manipulationspotenzial mit dieser Form der Kommunikation gegeben ist.

  5. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Die Akupunktur ist ein Therapieverfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin, das inzwischen auch in der westlichen Welt häufig eingesetzt wird. In den letzten beiden Jahrzehnten wurde es intensiv wissenschaftlich untersucht.

    Ziel der Arbeit

    Darstellung von Wirksamkeit, Therapiesicherheit und gesundheitsökonomischer Relevanz der Akupunktur bei chronischen Schmerzerkrankungen und Allergien.

    Material und Methoden

    Im Rahmen einer Übersichtsarbeit (narratives Review) wird die relevante Literatur ausgesucht, vorgestellt und interpretiert.

    Ergebnisse

    Akupunktur hat sich bei vielen chronischen Schmerzerkrankungen unter Routinebedingungen als wirksam erwiesen, so z. B. bei Kniegelenksschmerzen aufgrund von Arthrose, bei Migräne, Spannungskopfschmerz, chronischen Schmerzen der Lenden- und Halswirbelsäule, Schulterschmerzen, Dysmenorrhö und Fibromyalgie. Außerdem zeigt sich bei den meisten Schmerzerkrankungen eine spezifische Wirksamkeit. Auch bei Patienten mit allergischen Erkrankungen ist Akupunktur wirksam. Akupunktur hat sich in den großen klinischen Studien als relativ sicheres Therapieverfahren erwiesen, allerdings kommen in seltenen Fällen auch schwere Komplikationen vor (z. B. Pneumothoraxfälle, Hepatitisinfektionen). In der Regel ist Akupunktur mit zusätzlichen Therapiekosten verbunden, gilt allerdings bei Schmerzerkrankungen als kosteneffektive Therapiestrategie.

    Diskussion

    Als nichtpharmakologischem Verfahren kommt Akupunktur eine wachsende Bedeutung bei der Behandlung von chronischen Schmerzerkrankungen und Allergien zu. Sie wird daher zunehmend in aktuelle Therapieleitlinien aufgenommen. In weiteren Studien sollte ihre Wirksamkeit bei weiteren Indikationen bestimmt werden. Die Wirkmechanismen sollten untersucht werden.

  6. In der Originalversion des Artikels zur Anwendung von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern auf der Grundlage der Daten der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS-Basiserhebung und KiGGS Welle 2) sind fehlerhafte Prävalenzangaben enthalten, die …

  7. Zusammenfassung

    Die Homöopathie gehört in Deutschland zu den häufig angewendeten alternativen Heilmethoden. In diesem Diskussionsbeitrag soll erörtert und analysiert werden, warum die Homöopathie nicht zur Medizin gehören sollte und vielmehr als Glaubenskonzept zu verstehen ist, das außerhalb wissenschaftlicher Methoden angesiedelt ist. Erläutert werden die klinischen, rechtlichen und politischen Dimensionen der Homöopathiedebatte. Schließlich wird die Frage der Legitimität von Placeboanwendungen im Lichte der Forderung nach patientenzentrierter Medizin diskutiert.

  8. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Karies und Parodontitis sind weltweit hoch prävalente Erkrankungen. Durch ihre Erfassung im Rahmen der NAKO Gesundheitsstudie können Assoziationen zwischen oralen und systemischen Erkrankungen untersucht werden.

    Fragestellung

    In einer ersten Qualitätsanalyse zur Halbzeit der NAKO-Basiserhebung wird die Plausibilität der zahnmedizinischen Ergebnisse überprüft. Es werden Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität vorgeschlagen.

    Material und Methoden

    Ein zahnmedizinisches Interview, eine Speichelprobengewinnung und eine Befunderhebung wurden durchgeführt. Im Rahmen der Level-1-Untersuchung wurden Zahn- und Prothesenanzahl erfasst. In der Level-2-Untersuchung wurden detaillierte parodontologische, kariologische und funktionelle Befunde erhoben. Alle Untersuchungen wurden von geschultem nichtzahnmedizinischen Personal durchgeführt. Es wurden Plausibilitätsprüfungen durchgeführt sowie Verteilungen deskriptiv dargestellt.

    Ergebnisse

    In die Analysen gingen Daten von 57.967 Interviewteilnehmer*innen, 56.913 Level-1- und 6295 Level-2-Teilnehmer*innen ein. Der Anteil fehlender Werte lag für die einzelnen Parameter der Level-1- und Level-2-Untersuchungen zwischen 0,02 % und 3,9 %. Die Parameter zeigten eine plausible Verteilung; vereinzelt wurden unplausible Werte beobachtet, z. B. beim horizontalen und vertikalen Überbiss (Overjet und Overbite). Anhand der Intraklassenkorrelationskoeffizienten wurden für die einzelnen Parameter Unterschiede zwischen regionalen Clustern, den Studienzentren und verschiedenen Untersucher*innen nachgewiesen.

    Diskussion

    Die bisherigen Ergebnisse bestätigten die Umsetzbarkeit des Studienprotokolls durch nichtzahnmedizinisches Personal und die erfolgreiche Integration in das Untersuchungsprogramm der NAKO Gesundheitsstudie. Die Studienzentren benötigen eine intensive zahnmedizinische Betreuung für das Qualitätsmanagement.

  9. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Infektionen spielen für das Krankheitsempfinden, für gesundheitsökonomische Überlegungen sowie Public Health in Deutschland weiterhin eine wichtige Rolle. Sie wurden in den letzten Jahren außerdem mit der Entstehung von nichtübertragbaren Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Die NAKO Gesundheitsstudie kann Erkenntnisse auf diesem Gebiet vertiefen und damit zielgenaueren präventiven Ansätzen den Weg bereiten.

    Ziel

    Die infektionsbezogenen Erhebungsinstrumente sollen beschrieben und in Bezug zu Erhebungsarten anderer deutscher Studien gesetzt werden. Zudem werden erste Daten zur Häufigkeit von Infektionskrankheiten berichtet.

    Methoden

    Fragen zu Infektionskrankheiten wurden in der NAKO-Basiserhebung sowohl im Interview als auch im Selbstausfüllerfragebogen (Touchscreen) gestellt. Es wurden die Daten der ersten 101.787 Teilnehmenden ausgewertet.

    Ergebnisse

    Das Auftreten von Herpes Zoster (HZ), Post-Zoster-Neuralgie (bei Angabe von HZ), Hepatitis B/C, HIV/Aids und Tuberkulose im Sinne einer ärztlichen Diagnose bzw. von Sepsis als Grund für eine stationäre Behandlung wurde von 0,2 % (HIV/Aids) bis 8,6 % (HZ) der Befragten im Interview angegeben. Im Touchscreenmodul wurde das mindestens einmalige Auftreten einer Infektion der oberen Atemwege (IOA), der unteren Atemwege, des Magen-Darm-Traktes, der Harnblase oder von Fieber in den letzten 12 Monaten von 12 % (Zystitis) bis 81 % (IOA) berichtet.

    Ausblick

    Weitere Ergebnisse anhand von Daten aus den hier vorgestellten Fragebögen sind im Querschnittsdesign – beispielsweise zu Determinanten der Anfälligkeit für selbst berichtete Infektionen – ab 2021 zu erwarten. Die Bearbeitung darüber hinausgehender Forschungsfragen der Infektionsepidemiologie wird insbesondere nach Analysen von NAKO-Bioproben möglich sein.

  10. Zusammenfassung

    Hintergrund

    In Deutschland wurde 2016 das 4. Arzneimittelrechtsänderungsgesetz (AMG) verabschiedet, welches auch die Arzneimittelforschung an nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen regelt. Erstmalig sollen an ihnen ausschließlich gruppennützige Arzneimittelprüfungen unter Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen möglich sein. Die ethische Rechtfertigung und Praktikabilität dieser Regelungen werden kontrovers diskutiert.

    Ziele

    (1) Erhebung des Ist-Standes gruppennütziger Forschung an nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen aus der Perspektive medizinischer Ethikkommissionen in Deutschland; (2) Ermittlung der Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung des Gesetzes.

    Methoden

    Semiquantitative anonyme Fragebogenstudie unter 249 ausgewählten Mitgliedern aller 53 medizinischen Ethikkommissionen in Deutschland.

    Ergebnisse

    Es wurden 84 Fragebögen ausgewertet (Rücklauf 34 %). Die Differenzierung von Forschungsvorhaben hinsichtlich ihrer Eigen‑, Gruppen- und Fremdnutzenchance wurde nicht einheitlich gesehen. Auch wurden die Kriterien minimales Risiko und minimale Belastung unterschiedlich interpretiert. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hielt die künftig vorgesehene Probandenverfügung angesichts der anderen gesetzlichen Schutzmaßnahmen für nicht erforderlich. Außerdem wurde ihre Umsetzbarkeit aufgrund der hohen Anforderungen an das Aufklärungsgespräch und mangelnder Vorhersehbarkeit künftiger Forschung angezweifelt.

    Schlussfolgerungen

    Trotz der neuen gesetzlichen Regelung bestehen nach wie vor wesentliche ethische Unsicherheiten bei der gruppennützigen Forschung an nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen. Ob dazu rechtliche Klarstellungen, ergänzende Regulierungen, eine Evaluation der Neuregelung oder gar eine AMG-Revision erforderlich sind, bleibt zu prüfen.

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