Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Die Anzahl an Menschen, die internationale Reisen unternehmen, ist in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen. Unter den Reisenden befinden sich in zunehmendem Maß auch Menschen, bei denen ein erhöhtes Risiko für impfpräventable Infektionserkrankungen oder die Entwicklung von schwereren Krankheitsverläufen besteht.

    Senioren, Kinder, Schwangere und Stillende, Personen mit besonderen Vorerkrankungen sowie Menschen, die in ihrem Herkunftsland Verwandte und Freunde besuchen (Visiting Friends and Relatives [VFR]), sind Risikogruppen, die bei der reisemedizinischen Vorsorge allgemein und besonders hinsichtlich empfohlener Impfungen besondere Beachtung verdienen. Bei einigen dieser Risikogruppen sind Einschränkungen bezüglich der Verträglichkeit oder der Wirksamkeit notwendiger Impfungen zu berücksichtigen.

    Nicht zu allen Risikogruppen und jedem Impfstoff gibt es eine eindeutige Studienlage, sodass die Beratung vor einer Reise immer eine Einzelfallbetrachtung unter Abwägung von individuellem Nutzen und Risiko erfordert. Im vorliegenden Beitrag sind die Besonderheiten für jede Gruppe aufgeführt, die es grundsätzlich bei der reisemedizinischen Vorsorge zu beachten gilt.

  2. Zusammenfassung

    Impfungen sind ein zentraler Bestandteil der medizinischen Reisevorbereitung. Impflücken bei Standardimpfungen sollten geschlossen werden. Besonders Masern und Influenza sind im reisemedizinischen Kontext von Bedeutung. Impfungen gegen Gelbfieber, Meningokokken und Polio können bei Ein- bzw. Ausreise vorgeschrieben sein. In diesem Beitrag werden Informationen zu diesen und weiteren Reiseimpfungen gegen Hepatitis A, Typhus, Tollwut, Japanische Enzephalitis und Cholera gegeben.

    Gelbfieberendemische Gebiete liegen in Südamerika und Afrika; Asien ist gelbfieberfrei. Die Meningokokkenimpfung (A, C, W, Y) ist für Pilger nach Saudi-Arabien vorgeschrieben. Zudem ist sie für Reisende relevant, die zur Trockenzeit in Länder des afrikanischen „Meningitisgürtels“ reisen. Eine Auffrischung der Polioimpfung ist für Länder erforderlich, in denen noch Wildtyppolioviren (WPV) oder mutierte Impfpolioviren zirkulieren („circulating vaccine derived poliovirus“, cVDPV).

    Hepatitis A ist eine häufige impfpräventable Reiseinfektion. Die Indikation zur Hepatitis-A-Impfung sollte großzügig gestellt werden. Wichtigste Herkunftsregion von Typhusfällen ist Südasien, wo sich gleichzeitig multiple Antibiotikaresistenzen entwickeln. Die beiden in Deutschland verfügbaren Typhusimpfstoffe sind zu ca. 50–70 % wirksam. Verletzungen durch tollwutverdächtige Tiere sind bei Reisenden häufig. Tollwutimpfstoffe zur postexpositionellen Versorgung sind in vielen Ländern schwer zugänglich. Laut neuer Empfehlung der WHO sind 2 Impfungen zum „Priming“ im Rahmen der Tollwutgrundimmunisierung ausreichend. Die Japanische Enzephalitis ist bei Reisenden selten. Die Impfung sollte bei Aufenthalten insbesondere in ländlichen und periurbanen Gebieten endemischer Regionen erwogen werden. Cholera ist keine typische Reiseerkrankung, die Impfung ist für Reisende selten indiziert.

  3. Zusammenfassung

    Hintergrund und Ziel

    Gründe für eine geringere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen durch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund (MH) sind bislang nicht untersucht. Ziel ist es daher, Faktoren zu identifizieren, die mit der Inanspruchnahme der ambulanten ärztlichen Versorgung und der subjektiven Patientenzufriedenheit im Zusammenhang stehen und Unterschiede im Inanspruchnahmeverhalten von Kindern und Jugendlichen mit und ohne MH erklären.

    Methodik

    Auf Basis der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS, Basiserhebung: 2003–2006), an der 17.640 Kinder und Jugendliche teilnahmen, wurden Prävalenzen mit 95 %-Konfidenzintervallen sowie multivariate binärlogistische Regressionsanalysen zum Zusammenhang zwischen MH, Herkunftsland und Inanspruchnahme von ambulanten Versorgungsleistungen in den letzten 12 Monaten sowie der Zufriedenheit mit der letzten ambulanten Behandlung berechnet.

    Ergebnisse

    Null- bis 13-Jährige mit beidseitigem MH hatten im Vergleich zu jenen ohne MH eine geringere Inanspruchnahme spezialisierter Fachärztinnen und Fachärzte (OR = 0,64 [0,56–0,74]). Bei den 14- bis 17-Jährigen hingegen unterschied sich die Inanspruchnahme nicht signifikant (OR = 0,79 [0,60–1,03]). Die geringere Inanspruchnahme steht in Zusammenhang mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer der Eltern und eingeschränkten Deutschkenntnissen. Zudem sind aus Polen und der früheren Sowjetunion stammende Eltern, unabhängig von Deutschkenntnissen und Aufenthaltsdauer, seltener sehr zufrieden mit der letzten ambulanten Behandlung ihres 0‑ bis 13-jährigen Kindes.

    Diskussion

    Um Kindern mit MH den Zugang zu fachärztlichen Leistungen zu erleichtern, ist es wichtig, Sprachbarrieren in der ambulanten ärztlichen Versorgung abzubauen und Prozesse der interkulturellen Öffnung voranzutreiben.

  4. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Prävalenz und Inzidenz des dokumentierten Diabetes sind wesentliche Kennzahlen, für die im Rahmen der Nationalen Diabetes-Surveillance eine wiederkehrende Ermittlung geplant ist.

    Methodik

    Es wurden Daten nach der Datentransparenzverordnung ausgewertet, die ambulante und stationäre Versorgungsinformationen zu allen rund 70 Mio. gesetzlich Krankenversicherten enthalten. Die Falldefinition für die Prävalenz des dokumentierten Diabetes umfasst eine in mindestens zwei Quartalen eines Jahres vorliegende gesicherte ambulante Diagnose oder eine in mindestens einem Quartal eines Jahres vorliegende stationäre Diagnose gemäß ICD-10-Codes E10.- bis E14.-. Die Inzidenz wurde auf Grundlage derselben Definition und mit einem Jahr diagnosefreier Vorlaufzeit berechnet.

    Ergebnisse

    Im Jahr 2011 ist für gesetzlich Versicherte eine Prävalenz von 9,7 % (Frauen: 9,4 %, Männer: 10,1 %) beobachtbar. Es existieren Prävalenzunterschiede zwischen den Bundesländern, wobei der maximale Unterschied 7,1 %-Punkte (altersstandardisiert: 4,0 %-Punkte) beträgt. Typ-2- und Typ-1-Diabetes zeigen eine Prävalenz von 7,5 % bzw. 0,28 %. Ein unspezifischer Diabetes wird mit 1,9 % relativ häufig dokumentiert. Bei 0,21 % der Personen wird der Diabetes ausschließlich über eine stationäre Nebendiagnose dokumentiert. Zusätzlich weisen 0,17 % der Personen ohne dokumentierten Diabetes mindestens eine Verordnung eines Antidiabetikums auf. Im Jahr 2012 sind 565.040 Versicherte neu an Diabetes erkrankt, dies entspricht 1,0 % der Versicherten (Frauen: 1,0 %, Männer: 1,1 %).

    Diskussion

    Die erarbeitete Referenzauswertung ist für die Berichterstattung von Prävalenz und Inzidenz des dokumentierten Diabetes im Rahmen der Diabetes-Surveillance geeignet. Die Unterscheidung der Diabetestypen ist aufgrund der Codierungspraxis schwierig.

  5. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2019

    https://doi.org/10.1007/s00103-019-03023-8

    In der Originalpublikation des Artikels wurde eine fehlerhafte Abbildung veröffentlicht.

    Die entsprechende Abb. 3 wurde im Artikel korrigiert und ist unten stehend …

  6. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Todesbescheinigungen sind Grundlage der Todesursachenstatistik in Deutschland. Dies gilt auch für die Erfassung von Suizidereignissen.

    Ziel der Arbeit

    Untersuchung von Todesbescheinigungen im Rahmen von Suizidereignissen in Hinblick auf die Qualität der ärztlichen Eintragungen. Wie eindeutig sind die Hinweise auf ein Suizidgeschehen? In welcher Form erfolgen die Angaben zur Kausalitätskette und welche „begleitenden wesentlichen Krankheiten“ (Grundleiden) werden genannt?

    Material und Methoden

    Auswertung von N = 626 polizeilichen Ermittlungsakten zu Suiziden im bayerischen Allgäu in den Jahren 2001 bis 2009 und den darin enthaltenen Todesbescheinigungen.

    Ergebnisse

    Todesbescheinigungen im Rahmen von Suizidereignissen werden sehr uneinheitlich ausgefüllt. Direkte Verweise auf ein Suizidgeschehen erfolgen nicht regelhaft und Grundleiden werden ebenfalls nicht regelhaft angegeben. Die Häufigkeitsunterschiede zwischen den im Rahmen polizeilicher Ermittlungen erfassten Suiziden und der offiziellen Suizidstatistik vonseiten der Landesämter für Statistik sind dennoch gering.

    Diskussion

    Um die Qualität der Todesbescheinigungen nach einem Suizid zu verbessern, sollten die leichenschauenden Ärzte Suizidereignisse klarer als solche benennen und einen stärkeren Fokus auf ein logisches Ausfüllen der Kausalkette legen. Um den Stellenwert psychischer Erkrankungen hinsichtlich ihrer Mortalität nicht zu unterschätzen, sollten Möglichkeiten der Dokumentation von psychischen Grundleiden bei nichtnatürlichen Todesfällen diskutiert werden.

  7. Zusammenfassung

    Die sorgfältige Durchführung der Leichenschau und das korrekte Ausfüllen der Todesbescheinigung sind ärztliche Aufgaben mit weitreichender Wirkung. Die aus den Bescheinigungen gewonnenen Daten bilden die Grundlage für die amtliche Todesursachenstatistik und wissenschaftliche Untersuchungen, dienen aber auch der Aufdeckung strafbarer Handlungen und der Überwachung medizinischer Einrichtungen. Seit vielen Jahren ist die unzureichende Qualität von Leichenschau und Todesbescheinigungen ein Thema in Fachpublikationen.

    Den Gesundheitsämtern kommt die verantwortungsvolle Aufgabe zu, die eingehenden Todesbescheinigungen zu prüfen. Hier findet die einzige Qualitätskontrolle statt und ggf. müssen leichenschauende Ärzte gebeten werden, ihre Eintragungen nachzubessern. Dadurch wird auch die Qualität der Todesursachenstatistik verbessert und ein Beitrag zur Rechtspflege geleistet. Die Ämter können aus den Bescheinigungen für ihre eigene Routinearbeit wichtige Informationen zur Überwachung von Betäubungsmittelverkehr und medizinischen Einrichtungen sowie zur Einhaltung von Meldepflichten bei meldepflichtigen Erkrankungen gewinnen. Ebenso stehen ihnen Daten für die Untersuchung ausgewählter wissenschaftlicher Fragestellungen zur Verfügung.

    Der hohe Informationsgehalt von Todesbescheinigungen ist allgemein zu wenig bekannt und sollte von den Gesundheitsämtern flächendeckend und gezielt genutzt werden. Eine ausreichende personelle Besetzung mit fachlich qualifiziertem Personal ist notwendig, auch um weiterhin die wichtige Qualitätskontrolle der Todesbescheinigungen zu sichern.

  8. Zusammenfassung

    Der Todeszeitpunkt und die zum Tode führenden Erkrankungen sind wichtige Informationen für gesundheitswissenschaftliche Studien und Krankheitsregister. Sie lassen Rückschlüsse über den Gesundheitszustand einer Bevölkerung zu und helfen bei der Beurteilung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sowie Krankheitsvorbeugung und -versorgung. In vielen Ländern werden diese Daten personenbeziehbar durch Mortalitätsregister bereitgestellt.

    In Deutschland liegen die Mortalitätsdaten zwar über die verpflichtend für jeden Sterbefall ärztlich auszufüllende Todesbescheinigung als Vollerhebung vor, jedoch ist deren Nutzung für die Forschung sehr erschwert, da die Todesbescheinigungen (TB) bzw. die darin enthaltenen Daten nur dezentral bei den regionalen Gesundheitsämtern archiviert werden und teilweise nur uncodiert bzw. in Papierform vorliegen. Als einziges Bundesland verfügt Bremen über eine mehr als 20-jährige Erfahrung mit einem regionalen Mortalitätsregister, die zeigt, wie die Gesundheitsforschung von einer effizienten Verarbeitung und Bereitstellung der Daten der TB profitieren kann und wie auch die Qualität der Krebsregistrierung dadurch verbessert wird.

    Gegenwärtig erfolgt die bundesweite Umstellung auf eine automatische Codierung der Todesursachen durch die statistischen Landesämter. Die hierfür erforderliche elektronische Erfassung der Freitextangaben aus den TB erfordert organisatorische Umstrukturierungen. Diese bieten eine einzigartige Gelegenheit, um alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, die eine Einrichtung von Mortalitätsregistern auf Bundeslandebene ermöglichen würden. Dies wäre eine wichtige Voraussetzung für die Einrichtung eines längst überfälligen nationalen Mortalitätsregisters, um mit einer solchen Forschungsdateninfrastruktur auch international anschlussfähig zu werden.

  9. Zusammenfassung

    Am 01.08.2017 wurde in Bremen mit der Änderung des Gesetzes über das Leichenwesen (BremGLw) die qualifizierte Leichenschau eingeführt. Wesentliche Änderung ist, dass nach der reinen Todesfeststellung, die wie bisher von jedem approbierten Arzt durchgeführt werden darf, bei jeder verstorbenen Person eine Leichenschau durch einen entsprechend qualifizierten Arzt durchgeführt werden muss. Für die Stadt Bremen wurde die Aufgabe dem Institut für Rechtsmedizin (IRM) übergeben (in Bremerhaven dem Gesundheitsamt).

    In diesem Beitrag sollen die praktische Umsetzung, Probleme sowie Vor- und Nachteile des neuen Gesetzes dargestellt werden. Für das Jahr 2018 werden statistische Daten des IRM zur qualifizierten Leichenschau ausgewertet.

    Nach Meldung eines Todesfalls an das IRM wird überwiegend am selben oder folgenden Werktag die Leichenschau durch einen Arzt des IRM durchgeführt. Im Jahr 2018 fanden hier insgesamt 7585 Leichenschauen statt, die in 300 Fällen (4 %) zu einer Änderung der vorher festgestellten Todesart (natürlich/nichtnatürlich) führten.

    Die Durchführung der qualifizierten Leichenschau gestaltet sich mitunter schwierig, wenn auswärtige Bestatter involviert sind. Weitere Herausforderungen entstehen bei der Erhebung der Anamnese, der Umsetzung nach verlängerten Wochenenden und bei fehlenden Erkenntnissen zum Leichenfundort. Generell besteht die Schwierigkeit, im Rahmen einer äußeren Leichenschau auf die Todesursache zu schließen. Als Vorteile sind zu nennen, dass jede verstorbene Person relativ zeitnah durch einen qualifizierten Arzt einer Leichenschau unterzogen wird und sich insgesamt die Qualität der Leichenschau verbessert hat. Als nachteilig sind die gestiegenen Kosten zu nennen.

Hygieneinspektoren-SaarLorLux e. V. (c) 2018