Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Neue Immuntherapien werden aufgrund der immer weiter reichenden molekularen Differenzierung von Erkrankungsmustern immer häufiger in sogenannten adaptiven, also fortlaufend an Ergebnisse angepassten Studiendesigns (Umbrella- oder Basket-Studien beziehungsweise Plattformstudien) klinisch erprobt. Der hier vorgelegte Beitrag diskutiert diese Studiendesigns jenseits der Feststellung von Regulierungsbedarf, um ausgehend von typischen Strukturmerkmalen ethische Probleme zu identifizieren und – wo möglich – Lösungsvorschläge zu machen. Neben dem Verhältnis von wissenschaftlichen und sozialen Werten in klinischen Studien werden insbesondere die wissenschaftliche Validität von Evidenz, Fragen des Einschlusses von Studienteilnehmern unter der Bedingung von relativer Unsicherheit, spezifische Herausforderungen für die ethische Bewertung adaptiver Studien sowie die ethischen und praktischen Herausforderungen im Bereich der Patientenaufklärung und -einwilligung in den Blick genommen.

  2. Zusammenfassung

    Adoptive T‑Zelltherapien sind neuartige Konzepte zur Behandlung verschiedener Krankheiten. CAR-T-Zellen sind dabei als Letztlinientherapie für fortgeschrittene B‑Zelllymphome und die B‑Zellleukämie etabliert und zugelassen. TCR-basierte T‑Zellen als Behandlungsoption verschiedener hämatologischer und solider Tumoren befinden sich in der klinischen Entwicklung. Genetisch modifizierte regulatorische T‑Zellen stehen dagegen noch am Anfang ihrer klinischen Entwicklung zur Induktion von Immuntoleranz in einer Vielzahl von Anwendungsgebieten.

    In diesem Artikel wird zunächst ein Überblick über die Funktion der regulatorischen T‑Zellen für die Induktion der Immuntoleranz sowie über ihre Rolle im Pathomechanismus bestimmter Immunerkrankungen gegeben und der aktuelle Stand der klinischen Entwicklungen von therapeutischen Ansätzen auf Basis genetisch modifizierter regulatorischer T‑Zellen zusammengefasst. Im Weiteren werden die regulatorisch-wissenschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen hinsichtlich Herstellung und Qualitätskontrolle sowie nichtklinischer und klinischer Testung genetisch modifizierter regulatorischer T‑Zellen als Arzneimittel für neuartige Therapien diskutiert.

  3. Zusammenfassung

    Bereits der Arzt und Forscher Paul Ehrlich stellte die These auf, dass das Immunsystem nicht nur Infektionen bekämpft, sondern auch gegen Krebs vorgehen kann. Über die möglichen positiven Auswirkungen einer simultanen Infektion auf den Verlauf einer Krebserkrankung wurde bereits im alten Ägypten ca. 2600 v. Chr. berichtet. Jedoch wurde erst ab den 1960er-Jahren klar, dass das Immunsystem Krebszellen gezielt bekämpfen kann, und erst ab den 1990er-Jahren wurde langsam aufgeklärt, wie dies vor sich geht.

    Vor diesem Hintergrund sollen deshalb die Bemühungen der letzten 30 Jahre hinsichtlich der Entwicklung therapeutischer Impfungen gegen Krebserkrankungen kurz zusammengefasst und deren bisherige Erfolglosigkeit beleuchtet werden. Außerdem werden in einem Ausblick zukünftige eventuell Erfolg versprechende Entwicklungen in diesem Kontext diskutiert. Dabei werden die verfügbare wissenschaftliche Literatur, aber auch eigene Ergebnisse berücksichtigt.

    Es ergeben sich ganz zentrale Fragen, etwa: Wie unterscheiden sich Krebszellen von normalen Zellen? Wie kann das Immunsystem diese Unterschiede erkennen? Was sind tumorspezifische Antigene? Warum müssen tumorspezifische Antigene in individueller Weise ausgesucht und angewendet werden? Wie induziert man eine effiziente Immunantwort? Welche pharmazeutischen Formulierungen, Adjuvanzien und Impfrouten sind effektiv?

    Letztlich stellen wir dar, warum es sich möglicherweise doch lohnt, die bisher völlig erfolglose Peptidimpfung (gemessen an bisher zugelassenen Therapeutika) weiterzuverfolgen.

  4. Zusammenfassung

    Biosimilars sind Arzneimittel, die ein bereits zugelassenes Biopharmazeutikum nachahmen. Sie ermöglichen auch solchen Patienten eine biologische Therapie, die ansonsten aus Kostengründen nur eingeschränkten oder verzögerten Zugang hätten. Grundsätzlich kann das Biosimilar-Konzept auf alle gut charakterisierbaren Biologika angewendet werden, d. h. in Zukunft auch auf Blutgerinnungsfaktoren oder nukleinsäurehaltige Arzneimittel wie DNA- oder RNA-Gentherapeutika oder mRNA-Impfstoffe. In diesem Beitrag wird der aktuelle Stand der Zulassung von Biosimilars in der EU dargestellt.

    Die Bedeutung von klinischen Studien für Biosimilars wird erläutert; Herausforderungen bei ihrer Entwicklung und Aspekte zur Austauschbarkeit werden diskutiert. Nach der erfolgreichen Einführung von niedermolekularen Biosimilars im Jahr 2006 sind seit 2013 auch Biosimilars von hochkomplexen monoklonalen Antikörpern zur Therapie von Autoimmun- und onkologischen Erkrankungen auf dem Markt. Die Biosimilarität der Produkte kann häufig schon anhand von physikochemischer und funktioneller Ähnlichkeit nachgewiesen werden; und eine spezielle vergleichende klinische Wirksamkeits- und Sicherheitsstudie wurde in den letzten Jahren für mehrere Produktkategorien als nicht mehr notwendig erachtet. Die Umstellung eines Patienten von einem Referenzprodukt auf ein Biosimilar oder von einem Biosimilar auf ein anderes (Austauschbarkeit) wird bislang als unbedenklich angesehen.

    Seit Februar 2020 gibt es in Deutschland einen vorläufigen Beschluss, dass Patienten nach Maßgabe einer wirtschaftlichen Verordnungsweise umgestellt werden sollen. Darüber hinaus sollen wissenschaftliche Erkenntnisse über die Austauschbarkeit von Biosimilars und Erfahrungen mit der Versorgungspraxis von Biosimilars gesammelt und bewertet werden.

  5. Zusammenfassung

    Therapeutische Impfstoffe sollen die körpereigene Immunabwehr bei bereits bestehenden Erkrankungen aktivieren.

    Wir diskutieren in diesem Artikel die Anwendung therapeutischer Impfstoffe in den relevanten Therapiegebieten Onkologie und neurodegenerative Erkrankungen. Klinische und regulatorische Aspekte bei der Herstellung und Anwendung aktiv personalisierter Tumorimpfstoffe werden eingehend besprochen. Dies betrifft den Einsatz und die regulatorische Einstufung von genomischen Sequenzanalysen zur Identifizierung tumorspezifischer Mutationen, Kombinationstherapien von Tumorimpfstoffen mit Checkpointinhibitoren, klinische Studiendesigns, Verwendung von geeigneten Adjuvanzien und Wirkstoffen. Zunehmend fallen bei personalisierten Therapien große Datenmengen an (Big Data). Wir adressieren kurz die Bedeutung und die Verwendbarkeit von Big Data in der Arzneimittelregulation.

  6. Zusammenfassung

    Ein Jahrhundert lang wurde die Serumtherapie von Seren tierischen Ursprungs und Hyperimmunglobulinen dominiert. Obwohl seit Ende der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts zahlreiche monoklonale Antikörper (MAB) insbesondere zur Behandlung von immunologischen und onkologischen Erkrankungen entwickelt wurden, sollte es noch 20 Jahre bis zur Zulassung des ersten antiinfektiven MAB in der Europäischen Union dauern. In den folgenden 2 Dekaden kamen nur 2 weitere antiinfektive MAB hinzu. Interessanterweise werden zurzeit zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie zahlreiche MAB, die insbesondere in immunologischer Indikation zugelassen sind, zur Behandlung der Folgen der SARS-CoV-2-Infektion, wie Pneumonie oder Hyperimmunreaktion, eingesetzt.

    Im Folgenden werden die zugelassenen monoklonalen Antikörper zur Behandlung von Infektionskrankheiten vorgestellt. Darüber hinaus wird eine Übersicht über die aktuellen Entwicklungen, insbesondere bei der Therapie der SARS-CoV-2-Infektion, gegeben.

  7. Zusammenfassung

    2018 erhielten 2 neuartige Krebstherapien auf Basis chimärer Antigenrezeptoren (CARs) die Marktzulassung in der Europäischen Union. Die Produkte, zunächst zugelassen für die Bekämpfung weit fortgeschrittener Leukämien bzw. Lymphome, erhielten nicht nur wegen ihrer neuen Wirkungsweise und Behandlungserfolge viel Aufmerksamkeit, sondern auch wegen ihrer teilweise gravierenden Nebenwirkungen sowie der wirtschaftlichen und logistischen Herausforderungen, die mit ihrer Herstellung verknüpft sind. Nun, fast 2 Jahre später, belegen Hunderte laufende klinische Studien das weltweite Bestreben, das Potenzial der CAR-Technologie voll zu erschließen. Dazu gilt es, die Effektivität der Behandlung bei verschiedenen Krankheitsbildern sicherzustellen, das Nebenwirkungsprofil zu verstehen und zu verbessern und die Herstellung des Zellpräparats robuster zu gestalten.

    In diesem Artikel beschreiben wir die Studienlage sowie das Wirkprinzip von CAR-T- und -NK-Zellen. In jüngster Zeit hat eine Reihe von Studien in fortgeschrittenen Tiermodellen Einblicke in die potenziellen Ursachen schwerer Nebenwirkungen der CAR-Therapie ermöglicht. Wir fassen diese Ergebnisse zusammen und erläutern die Funktionsweise verfügbarer Tiermodelle. Zusätzlich zeigen wir mögliche weitere Ansätze auf, die momentanen Limitationen der Technologie zu umgehen und sie breit und sicher einsetzbar zu machen. Bisher als letztes Mittel bei sehr schweren Krankheitsverläufen eingesetzt, scheint die CAR-Therapie am Beginn einer Entwicklung hin zu einem neuen Konzept bei der Behandlung eines breiten Spektrums von hämatologischen und soliden Tumorerkrankungen zu stehen.

  8. Die Originalveröffentlichung dieses Artikels enthielt in ihrer Erstfassung einen Fehler bezüglich der Angabe der durch ABS-Kunststoffe freigesetzte Partikelzahl pro Gramm Filamenteinsatz. Korrekt lautet der Text wie folgt:

    Besonders ABS-Kunststoffe wiesen …

  9. Im Anhang der Originalpublikation dieses Beitrags wurde im „Impfplan für Kinder/Jugendliche nach allogener/autologer Stammzelltransplantation“ der Zeitpunkt der 3. HPV-Impfstoffdosis nach allogener SZT fälschlicherweise zum Zeitpunkt „17-18“ Monate nach SZT dargestellt. …

  10. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2019

    https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-019-03058-x

    In der Originalpublikation des Artikels ist ein Fehler in der Methodendarstellung im Text und in der Zusammenfassung und in der veröffentlichten Tab. 2 aufgetreten.

    Innerhalb des Methodenteils wurde fälschlicherweise

  11. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Es gibt im Bereich des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) zwei Möglichkeiten der Leistungsgewährung mit praktischer Relevanz für die Gesundheitsversorgung (abhängig von der Voraufenthaltszeit): die Grundleistungen und die Leistungen in besonderen Fällen analog zum Sozialgesetzbuch (SGB) XII.

    Methodik

    Die Sekundärdatenanalyse untersucht das Leistungsgeschehen im Krankheitsfall bei den Leistungsempfängern nach dem AsylbLG beim Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Dem untersuchten Personenkreis wurde noch keine Flüchtlingseigenschaft bzw. Asylberechtigung zuerkannt.

    Ergebnisse

    Zum Stichtag 31.12.2018 bezogen 423.201 Personen in Deutschland Leistungen nach dem AsylbLG. Davon war gut ein Drittel Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 24 Jahre. Über die Hälfte stammte aus Asien. Über ein Drittel aller Leistungsempfänger befand sich in ambulanter (33,5 %) oder stationärer Behandlung (1,3 %). Zwischen den Bundesländern variierten die Leistungen zur Hilfe bei Krankheit sowie die gesundheitsbezogenen Pro-Kopf-Bruttoausgaben sehr stark. Die Gewährung von Leistungen bei Krankheit war in Aufnahmeeinrichtungen relativ gering. Mit Gesundheitskarte war die Inanspruchnahme stationärer Behandlung generell höher.

    Die gesundheitsbezogene Regelversorgung mit Hilfen in besonderen Fällen (§2 AsylbLG analog SGB XII) erreichte einen größeren Anteil an leistungsberechtigten Menschen mit 42,7 % am Jahresende als die Minimalversorgung nach §3 AsylbLG mit 29,0 %. Sie verursachte trotzdem im Vergleich weniger Bruttoausgaben.

    Schlussfolgerung

    Es wird empfohlen, §2 AsylbLG schon bei einer Voraufenthaltszeit ab 3 Monaten anzuwenden, um frühzeitiger die Hilfen analog Kap. 5–9 SGB XII gewähren zu können. Eine flächendeckende Einführung der Gesundheitskarte würde den Zugang verbessern.

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