Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Naturräumen und insbesondere urbanen Grünräumen (Stadtgrün) und Gewässern (Stadtblau) wird seit Langem ein großes gesundheitsschützendes und -förderndes Potenzial beigemessen. Sie können in vielfältiger Weise positiv auf die psychische, physische und soziale Gesundheit sowie das Wohlbefinden von Menschen einwirken – direkt oder indirekt: direkt durch die Minderung und Moderation möglicher Risiken aus der Lebensumwelt (z. B. Lärm, Feinstaub, Hitze), durch die psychisch-physiologischen Wirkungen des Naturerlebnisses und die physischen Auswirkungen der Exposition gegenüber Naturstoffen und -elementen; indirekt wirken Naturräume beispielsweise über die Anregung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen (z. B. Anreiz für mehr Bewegung), über die Nutzung als Outdoortreffpunkt sowie die Minderung von Aggressionen und daraus resultierender Effekte für das soziale Wohlbefinden. Einzelne mögliche gesundheitsabträgliche Wirkungen von Naturräumen sind ebenfalls beschrieben worden (z. B. Unsicherheit oder Angst in unübersichtlicher Natur, mögliche Nutzungskonkurrenzen, Allergien und Hautirritationen durch Naturelemente, Infektionsrisiken durch Wirtstiere). Vor dem Hintergrund der positiven Wirkungen von Naturräumen wird bisweilen gefordert, diese im Rahmen einer integrierten, zukunftsfähigen Entwicklung von Kommunen zu erhalten, zu fördern und gegebenenfalls wiederherzustellen. Doch welche konkreten Wirkzusammenhänge bestehen zwischen Naturräumen und Gesundheit? Welche Forderungen und Perspektiven ergeben sich für eine gesundheitsförderliche Umsetzungspraxis? Mit diesen Fragen setzt sich der Übersichtsbeitrag auseinander und liefert einige Antworten.

  2. Zusammenfassung

    Umweltzonen (UWZ) wurden als Maßnahme zur Verbesserung der Luftqualität eingeführt. In Deutschland sind derzeit 58 Umweltzonen eingerichtet (Stand Februar 2018), die sich aber speziell in ihrer Größe deutlich unterscheiden.

    Die Wirksamkeit von Umweltzonen wurde sowohl in zahlreichen Modellrechnungen als auch anhand von PM10-Feinstaub (PM10: Partikel, die einen definierten größenselektierenden Lufteinlass passieren, der für einen aerodynamischen Durchmesser von 10 μm eine Abscheidewirksamkeit von 50 % aufweist) und Stickstoffdioxid (NO2)-Immissionsdaten untersucht. Die Analysen zeigen einen klaren Trend. So ist bei ausreichender Größe der Umweltzone und Gültigkeit der strengsten Schadstoffgruppe ein Rückgang der PM10-Konzentrationen um 5–10 % nachweisbar, an verkehrsbelasteten Messstationen teilweise auch um über 10 %. Der maßgebliche Grund für die Einführung der ab 2005 geltenden PM10-Grenzwerte war die gesundheitsschädigende Wirkung von Feinstaub auf die respiratorische und kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität.

    Als Hauptverursacher hierfür ist der Kraftfahrzeug(Kfz)-Verkehr und insbesondere der emittierte Dieselruß anzusehen. Deshalb spielt für die Festlegung der Schadstoffklassen der Umweltzonen das Vorhandensein von Rußfiltern bei Dieselfahrzeugen eine wichtige Rolle.

    Leider stützt sich aber die „Erfolgskontrolle“ auf PM10-Feinstaub, dessen Gesamtfraktion lediglich einen relativ kleinen Anteil hochtoxischer Partikel aus Verbrennungsmotoren enthält. Zielführender wäre die Analyse der Luftschadstoffe, die spezifischer für den Kfz-Verkehr sind (zum Beispiel elementarer Kohlenstoff, ultrafeine Partikel, PM2.5-Feinstaub (PM2,5: Partikel, die einen definierten größenselektierenden Lufteinlass passieren, der für einen aerodynamischen Durchmesser von 2,5 μm eine Abscheidewirksamkeit von 50 % aufweist) Feinstaub). Bei „leistungsfähigen“ Umweltzonen wurde für diese Schadstoffe eine deutlich stärkere Reduzierung gezeigt. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Vorteil der Umweltzonen für die Gesundheit erheblich größer ist, als sich dies an der Reduktion von PM10-Feinstaub ablesen lässt.

    Da es sich bei den Plaketten für Umweltzonen faktisch um Feinstaubplaketten handelt, ist es nicht überraschend, dass die Einführung von Umweltzonen zu keiner nachweisbaren Verringerung der NO2-Immission geführt hat.

  3. Zusammenfassung

    Unsere Umwelt beeinflusst Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen, von der Geburt bis ins hohe Alter. In diesem Überblick werden die wichtigsten epidemiologischen Studien und Gesundheitsmonitoringsysteme in Deutschland erläutert, die unter anderem auch Umwelteinflüsse in verschiedenen Bevölkerungsgruppen untersuchen und Gesundheitseffekte abschätzen. Die darin jeweils untersuchten Umweltfaktoren werden beschrieben. Diese Studien an Kindern und Erwachsenen schaffen eine Basis für Vorhersagen und präventive Maßnahmen. Die hohe Anzahl der erfassten umweltbezogenen Faktoren und die Intensität ihrer Untersuchung unterscheiden sich in den Studien, ebenso wie die (phänotypische) Charakterisierung der Studienteilnehmenden. Dennoch bilden die gewonnenen Daten eine Grundlage für die zukünftige Forschungsarbeit. Hierzu ist allerdings eine flächendeckende dauerhafte Erfassung der Daten zu den verschiedenen Umweltfaktoren notwendig.

    Da der Anteil der in städtischen Gebieten lebenden Bevölkerung in Zukunft weiter steigen wird, werden Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Lufttemperatur, Lärm, aber auch soziale Ungerechtigkeit zukünftig die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung maßgeblich beeinflussen. Die Herausforderung einer alternden Gesellschaft, aber auch die mögliche Adaptation der Bevölkerung an diverse Umweltstimuli machen einen multidisziplinären Ansatz erforderlich. Gerade aus umweltepidemiologischer Sicht sind hier die gesammelten Daten der in diesem Artikel aufgezeigten Kohortenstudien in Deutschland ein wertvoller Schatz, denn nur damit können Zusammenhänge zwischen Umwelteinflüssen und Gesundheit erforscht und public-health-relevante präventive Maßnahmen identifiziert werden.

    Die NAKO-Gesundheitsstudie, die in den kommenden Jahrzehnten die größte verfügbare Ressource für Gesundheitsdaten sein wird, sollte in zukünftige Aktivitäten zur Erforschung von Umwelteinflüssen eingebunden werden.

  4. Zusammenfassung

    Holzfeuerungen werden in den letzten Jahren aufgrund ihres hohen Anteils am deutschen Feinstaubausstoß in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend kritischer bewertet. Hauptverursacher dieser Emissionen sind die mit Scheitholz betriebenen Einzelraumfeuerungen (ERF), z. B. Kamin‑, Kachel- und Grundöfen. Sowohl Neu- als auch Bestandsanlagen tragen zur Belastung direkt in den Wohngebieten bei. Dies zeigen die unter realen Betriebsbedingungen durchgeführten Praxistests eines filternden Abscheiders für Kaminöfen, die in den Heizperioden 2015/2016 und 2016/2017 vom Lehr- und Forschungsgebiet Technologie der Energierohstoffe (TEER) an der RWTH Aachen durchgeführt wurden. Das Filterprinzip basiert auf einer sicheren Abscheidung der Partikel in einem hochporösen Filtermedium. Die über einen Zeitraum von 1–3 Monaten abgeschiedenen Partikel wurden anschließend einer chemischen Analyse zugeführt, um die partikulären Emissionen zu charakterisieren. Der Filter stellt damit eine integrale Bewertungsmethode für die reale, in der Praxis auftretende Emissionsbelastung dar. Die Methode und ihre Ergebnisse werden in diesem Artikel dargestellt und bewertet. Für die abgefangenen Partikelklassen wird das toxikologische Gefährdungspotenzial erläutert.

  5. Zusammenfassung

    Umfrageergebnisse zeigen, dass der Lärm in seinen vielfältigen Formen zu den stärksten Beeinträchtigungen im Wohnumfeld gehört. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen in Europa jährlich ca. eine Million beschwerdefreie Jahre durch die Wirkungen des Umgebungslärms verloren. Der vorliegende Beitrag diskutiert die Lärmwirkungsaspekte am Beispiel des Verkehrslärms, auf den sich die meisten Lärmwirkungsstudien zum Umgebungslärm beziehen. Immer mehr Studien weisen Assoziationen zwischen Verkehrslärm und vaskulären und metabolischen Erkrankungen sowie auch psychischen Erkrankungen auf. Noch ist zu wenig über die kausalen Mechanismen bekannt, auch wenn es hierzu eine Reihe von Modellvorstellungen gibt. Fest steht jedoch: Es ist heutzutage nicht die Frage, ob Lärm auch auf extraauraler Ebene krank machen kann, sondern unter welchen Bedingungen und in welchem Risikoausmaß.

    Das hohe Ausmaß der Beeinträchtigungen durch Lärm verweist auf Handlungsbedarf in der Lärmschutzpolitik.

    Zum Schutz vor Verkehrslärm haben Bund, Länder und Kommunen in den letzten Jahren – z. B. im Rahmen der Lärmaktionsplanung – zahlreiche Initiativen ergriffen. Besonders bemerkenswert sind die innovativen Maßnahmen, Instrumente und Programme gegen den Schienenverkehrslärm. Bei der wichtigsten Verkehrslärmquelle, dem Straßenverkehr, ist weniger Fortschritt erzielt worden. Auch beim Fluglärm steht die Überprüfung und Weiterentwicklung wichtiger Gesetze noch aus. Zugunsten innerstädtischer Verdichtung wurde das Lärmschutzniveau bei Sport- und Gewerbelärm abgesenkt. Signifikante gesundheitsrelevante Absenkungen der Lärmbelastungen sind – außer im Bereich des Schienenverkehrs – daher in naher Zukunft nicht zu erwarten.

  6. Zusammenfassung

    In Mitteleuropa verbringt der Mensch einen Großteil seiner Lebenszeit in Innenräumen wie Privatwohnungen, Büros, Bildungsstätten und sonstigen öffentlichen Gebäuden. Hier ist er einer Vielzahl toxikologisch bedeutsamer, gasförmiger und auch partikelgebundener Stoffe ausgesetzt. Diese Arbeit stellt Handlungsfelder vor, die derzeit in Öffentlichkeit, Fachgremien und Wissenschaft diskutiert werden: Dazu gehören die Gebäudelüftung, die Wirkung organischer Materialemissionen und Partikelquellen auf die Innenraumluftqualität, die Erkennung und Prävention von Schimmel sowie die existierenden Ansätze zur Bewertung der Innenraumluft durch Richtwerte und der inneren Belastung durch Humanbiomonitoring. Die Innenraumlufthygiene ist ein dynamisches Handlungsfeld, da neue Stoffe und Stoffgruppen in Zusammenwirkung mit den tendenziell geringer werdenden Luftwechseln in Gebäuden komplexere Bewertungen erfordern und die möglichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit weniger vorhersehbar geworden sind.

  7. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsblatt 2018

    https://doi.org/10.1007/s00103-018-2732-0

    Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass in der Originalpublikation des Artikels der englische Artikeltitel leider aufgrund eines Fehlers im Produktionsprozess nicht korrekt dargestellt wurde.

    Richtig lautet er:

    Antibiotic …

  8. Zusammenfassung

    Aktuelle internationale Studien zeigen, dass umweltbezogene Erkrankungen unverhältnismäßig vulnerable Menschen betreffen. Dies ist ein Ausdruck von Umweltungerechtigkeit. Der Ansatz Umweltgerechtigkeit geht über die Beschreibung sozialer Ungleichheiten bei Umwelt und Gesundheit hinaus und beinhaltet als normatives Leitbild zwei zentrale Gerechtigkeitsdimensionen: Verteilungsgerechtigkeit und Verfahrensgerechtigkeit. Erklärungsansätze für den Zusammenhang zwischen sozialer Lage, Umwelt und Gesundheit befassen sich sowohl mit der sozialen Ungleichverteilung von Umweltbelastungen und Umweltgütern (Expositionsvariation) als auch mit sozialen Unterschieden in der Anfälligkeit (Vulnerabilität) hinsichtlich der gesundheitlichen Wirkungen von Umweltexpositionen (Effektmodifikation). Integrierte Monitoringansätze dienen als Grundlage für die Ableitung von Interventionen unter Gerechtigkeitsaspekten. Ausgehend von der Public-Health-Forschung und eingebettet in das Health-in-All-Policies(HiAP)-Konzept wird Umweltgerechtigkeit von zahlreichen Disziplinen sowie in Politik, Verwaltung und Praxis aufgegriffen. Strategische Überlegungen zur politischen Verankerung finden sich auf Bundes‑, Länder- und kommunaler Ebene seitens staatlicher und nichtstaatlicher Akteure. Gesundheitsfördernde Stadtentwicklung ist ein zentrales Interventionsfeld. Das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ sowie sozialraumorientierte Fachplanungen erweisen sich als hilfreich, um den Schwerpunkt auf mehrfachbelastete städtische Räume zu legen und zielgruppengerechte Beteiligungsprozesse durchzuführen. Bedarf besteht weiterhin an der Methodenentwicklung und systematischen Umsetzung von Evaluationen politischer Strategien und entsprechender Interventionen hinsichtlich ihrer Effekte auf gesundheitliche Ungleichheiten und Umweltgerechtigkeit.

  9. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2018

    https://doi.org/10.1007/s00103-018-2711-5

    In der Originalpublikation wurde leider an drei Stellen die Zuordnung „mit DS“ (mit deutscher Staatsangehörigkeit) und „ohne DS“ (ohne deutsche Staatsangehörigkeit) vertauscht.

    Im Folgenden sind die entsprechenden Absätze …

  10. Zusammenfassung

    Die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) weist dem Auf- und Ausbau von Monitoring- und Surveillance-Systemen zu Antibiotikaresistenzen und zum Antibiotikaverbrauch eine zentrale Rolle bei der Begrenzung der weiteren Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen zu. Dabei wird der „One-Health-Ansatz“ verfolgt, der Human- und Veterinärmedizin gleichermaßen in den Blick nimmt. Mit der kontinuierlichen Erhebung von geeigneten Daten zu Antibiotikaresistenz und Antibiotikaverbrauch, deren räumlichen Verteilung und zeitlichen Entwicklung soll die Grundlage geschaffen werden, um Probleme zu erkennen, Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und Interventionen in ihrer Wirksamkeit zu evaluieren. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die etablierten nationalen Surveillance-Systeme in den Sektoren Human- und Veterinärmedizin, mit denen Deutschland auch seinen Verpflichtungen im Rahmen der europäischen und internationalen Aktionspläne sowie rechtlichen Verpflichtungen nachkommt.

  11. Zusammenfassung

    In der Humanmedizin stellen behandlungsbedürftige Infektionen die primäre Indikation für den Einsatz von Antiinfektiva dar. Die Prävention von Infektionen ist daher das Fundament für eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes. Eine vermiedene Infektion muss nicht behandelt werden. Für die Prävention einiger wichtiger ambulant erworbener Infektionen stehen Impfstoffe zur Verfügung. Weitere Infektionen können durch präventives Verhalten auf der Basis von Bildung und eigenverantwortlichem Handeln vermieden werden. Bei der Prävention nosokomialer Infektionen ist der Patient auf die Sorgfalt Dritter bei der Durchführung medizinischer Maßnahmen angewiesen. Elemente wirksamer Präventionsbündel für die Vermeidung nosokomialer Infektionen werden in den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention dargelegt. Ihre konsequente Umsetzung ist ein wesentlicher Beitrag zur Patientensicherheit sowie zur Vermeidung der Weiterverbreitung von Erregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen. Nachgewiesenes und kosteneffektives Präventionspotenzial steckt in der konsequenten Durchführung der Händehygiene, einer sachgerechten perioperativen Antiseptik und der leitliniengerechten Anwendung von Antibiotika zur Prophylaxe perioperativer Wundinfektionen. Das Erreichen von Präventionszielen kann durch die Dokumentation sinkender oder niedriger Infektions- und Resistenzraten objektiviert werden.

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