Bundesgesundheitsblatt

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  1. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl (2018)

    https://doi.org/10.1007/s00103-018-2761-8

    In der Originalpublikation dieses Beitrags fehlt ein Hinweis zu Lebendimpfungen bei Patienten mit Störungen im Bereich der Toll-like-Rezeptor-Signaltransduktion.

    Am Ende des letzten Absatzes unter Punk 3.6 „Defekte der …

  2. Zusammenfassung

    Gesundheitsberichterstattung (GBE) soll die gesundheitliche Lage der Bevölkerung beschreiben und Handlungsbedarfe aufzeigen. Darüber hinaus soll die GBE nach einer neuen Definition auch eine objektive Grundlage für partizipative Prozesse bieten. Damit wird eine Brücke zu Konzepten der Gesundheitsförderung geschlagen.

    Kommunale integrierte Gesundheitsstrategien (Präventionsketten) beruhen auf dem Konzept der Salutogenese. Ein wichtiges Merkmal von Präventionsketten ist u. a. der partizipative Ansatz, um eine am Bedarf orientierte präventive Ausrichtung von Maßnahmen in Kommunen zu entwickeln. Das setzt eine bereichsübergreifende Arbeitsweise und ein abgestimmtes Vorgehen vieler Akteure voraus und benötigt darüber hinaus als Planungsgrundlage eine Verknüpfung von Gesundheits‑, Sozial- und Umweltdaten und integrierte Berichterstattung.

    Im Land Brandenburg wurde durch die Koordinierungsstelle „Gesundheitliche Chancengleichheit“ in zwei Modellregionen exemplarisch der Aufbau einer Präventionskette in der Aufbauphase begleitet. Im Rahmen einer Evaluation wurden Stolpersteine und Gelingensfaktoren erhoben. Es zeigt sich, dass innerhalb der Aufbauphase weitere vier Phasen identifiziert werden konnten und diesen Phasen spezifische Aspekte zugeordnet werden konnten. Darüber hinaus sollten sozialraumorientierte Daten eine gute Validität aufweisen, kontinuierlich erhoben werden und eine räumliche Vergleichbarkeit ermöglichen. Die Verknüpfung von Daten verschiedener Ressorts und die Ergänzung um subjektive Daten könnten vorhandene Lücken schließen und partizipative Prozesse unterstützen.

    Wie eine gute Integration in Planungsprozesse in den Kommunen gelingen kann sowie Fragen der dafür notwendigen Ressourcen wird in zukünftigen Prozessen zu klären sein.

  3. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Die systematische Vernetzung der Angebote zur kommunalen Gesundheitsförderung und Prävention sowie der dahinterstehenden Akteure verschiedener Fachrichtungen und Ressorts gewinnt in Deutschland seit etwa 10 Jahren an Bedeutung. Die Vernetzung mittels Online-Community im Web ist im Gesundheitsbereich bisher kaum üblich, während entsprechende Systeme in anderen Feldern, z. B. für die verteilte Teamarbeit, etabliert sind.

    Ziel der Arbeit

    Wir untersuchen eine Onlinecommunity, die den Austausch zwischen Fachkräften u. a. aus den Bereichen Frühe Hilfen, Gesundheitliche Chancengleichheit und Suchtprävention unterstützen soll. Ziel der Forschung ist es, Potenziale dieser Onlinevernetzung in der Gesundheitsförderung zu identifizieren.

    Methoden

    In einer qualitativen Befragung von Akteuren im Feld erhoben wir relevante Möglichkeiten zur Onlineunterstützung der Arbeit. Mit quantitativen Befragungen von Nutzenden der Plattform evaluierten wir die Nutzerfreundlichkeit und weitere motivationale Faktoren. Logfileanalysen zeigten, welche Funktionen der Plattform am häufigsten genutzt werden.

    Ergebnisse

    Die Ergebnisse zeigen, dass Fachkräfte insbesondere Funktionen zum Abruf von qualitätsgesicherten Informationen sowie zur Steuerung vorhandener Netzwerke wünschen. Eine hohe Nutzerfreundlichkeit sowie förderliche organisationale Strukturen sind Voraussetzungen für eine breite Nutzung. Die Bereitschaft, eigene Materialien und Informationen beizusteuern, ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen gering.

    Diskussion

    Wir geben Empfehlungen zur Umsetzung der Ergebnisse und beschreiben Bedingungen, unter denen die Potenziale freigesetzt werden können.

  4. Zusammenfassung

    Kommunale Gesundheitsförderung, die auf gesundes Aufwachsen ausgerichtet ist, bedarf eines konzeptionellen Rahmens, um Kinder und Familien zu unterstützen und ihre Gesundheitschancen nachhaltig zu verbessern. Zur inhaltlichen Ausrichtung dieser anspruchsvollen Aufgabe dient das Konzept der familiären Gesundheitsförderung. Es fokussiert insbesondere die Nutzerperspektive der Familien.

    Aus diesem Blickwinkel werden einerseits lebensphasenspezifische Bewältigungsaufgaben skizziert, wobei die Phasen Schwangerschaft, frühe Kindheit und Adoleszenz sowie die Übergänge zwischen den altersspezifischen Sozialisationsinstanzen besonders vulnerabel sind. Andererseits werden belastete Lebenslagen entlang familiärer Adversionen wie Armut, Isolation, Alleinerziehen, Fremdunterbringung oder Erkrankung dargestellt und lebenslagenspezifische Ansätze für Gesundheitsförderung und Prävention benannt.

    Angebote der familiären Gesundheitsförderung sollten Stigmatisierung vermeiden und Familien lebensphasen- und lebenslagenspezifisch über Kommunen und weitere Settings unterstützen.

  5. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Frühe Hilfen sind Angebote für Familien mit Kindern bis zum Alter von 3 Jahren. Sie leisten einen Beitrag zur Förderung von elterlichen Kompetenzen, um die Entwicklungs- und Lebensbedingungen von Familien zu verbessern. Ein weiteres, zentrales Element der Frühen Hilfen sind kommunale (Präventions‑)Netzwerke. In diesen Netzwerken arbeiten Akteure des Gesundheitswesens mit Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe zusammen, um den Familien einen nichtstigmatisierenden Zugang zu den Angeboten der Frühen Hilfen zu eröffnen. Im Forschungsprogramm „Zusammen für Familien“ (ZuFa-Monitoring) des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden seit 2017 repräsentative Daten zur Qualität der Kooperation aus Perspektive der niedergelassenen Gynäkologie, der Geburtskliniken sowie der niedergelassenen Pädiatrie erhoben.

    Ziel der Arbeit

    Dargestellt werden Hintergründe und Ziele des ZuFa-Monitorings sowie Design und Methoden der einzelnen Studien. Im vorliegenden Beitrag werden Stichprobenbeschreibungen und Analysen zur Repräsentativität der Erhebungen in Geburtskliniken (ZuFa_GK) und pädiatrischen Praxen (ZuFa_Päd) sowie erste Ergebnisse zur Kooperationsqualität berichtet.

    Erste Ergebnisse

    Die Stichproben sind repräsentativ für die Grundgesamtheit der Geburtskliniken bzw. der pädiatrischen Praxen in Deutschland. Zwei Drittel der Befragten geben an, dass der Anteil psychosozial belasteter Familien in den letzten Jahren zugenommen hat. Deren Versorgung wird aufgrund von Zeitmangel, nichtangemessener Vergütung und erschwerenden Bedingungen wie Sprachbarrieren als Herausforderung bewertet. Von den Frühen Hilfen wird Entlastung erwartet.

    Diskussion

    Das ZuFa-Monitoring erhebt Informationen zur Versorgung psychosozial belasteter Familien und generiert Hinweise auf hemmende und fördernde Bedingungen, die im Rahmen des weiteren Strukturauf- und -ausbaus lokaler Netzwerke berücksichtigt werden können. So kann ein Beitrag zur Erhöhung der Versorgungsqualität im Gesundheitswesen geleistet werden.

  6. Zusammenfassung

    In den letzten Jahren haben immer mehr Kommunen damit begonnen, sektorenübergreifende Netzwerke der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche aufzubauen. Sie werden dabei von zahlreichen Initiativen auf Bundes- und Länderebene unterstützt. Ziel des Beitrags ist es, einen Überblick über diese Initiativen zu geben sowie zentrale Hindernisse der Umsetzung vernetzter kommunaler Gesundheitsförderung darzustellen. Hierfür behandelt der Beitrag zunächst allgemein die Rolle der Kommunen im Bereich der Gesundheitsförderung, bevor die Initiativen beschrieben werden. Als zentrale Hindernisse der Umsetzung identifiziert der Beitrag die schlechte Finanzsituation vieler Kommunen, Schwierigkeiten bei der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit der Kommunalverwaltungen, die im internationalen Vergleich schwache Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) sowie die fehlende Evidenz der Wirksamkeit vernetzter und integrierter Ansätze für Deutschland. Anhand der Beispiele Großbritannien und des Bezirks Västerbotten in Schweden werden zudem zwei gesundheitspolitische Alternativen aufgezeigt.

  7. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Der Forschungsverbund „Gesund Aufwachsen“ hat integrierte Gesamtansätze kommunaler Gesundheitsförderung für Kinder in den Ruhrgebietsstädten Moers und Oberhausen untersucht.

    Fragestellung

    Kommunale Politiken, institutionelle und sozialräumliche Rahmenbedingungen werden unter folgenden Fragestellungen analysiert:

    Wie ist der Implementierungsstand integrierter Gesundheitsförderung in den Modellkommunen aus Perspektive von a) kommunalen Steuerungsverantwortlichen; b) Leitenden aus Grundschulen, Kindertagesstätten und Familienzentren?

    Wie schätzen sie die Gesundheitschancen von sozial benachteiligten Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte ein?

    Methode

    Im Rahmen einer Bestandsaufnahme wurden mit kommunalen Steuerungsverantwortlichen sowie Leitungskräften aus Kitas, Familienzentren und Grundschulen Experteninterviews geführt (n = 34).

    Ergebnisse

    Entwicklungsbedarf besteht besonders bei intersektoraler Steuerung lokaler Präventionspolitiken sowie ihrer adäquaten kommunalpolitischen Mandatierung. Die größten Hürden in Kitas und Schulen sind marode oder fehlende Infrastruktur sowie unzureichende Ressourcenausstattung. Armut, Inklusion und Integration stellen Fachkräfte in benachteiligten Quartieren vor große Herausforderungen.

    Diskussion

    Integrierte kommunale Präventionspolitiken stehen noch am Anfang. Ein expliziter gesetzlicher Auftrag und eine damit verbundene gesicherte Finanzierung bestehen nicht. Es gibt deutliche Hinweise, dass Gesundheitschancen von Kindern je nach Stadtquartier und Bildungsinstitution stark variieren. Die Notwendigkeit einer bedarfsorientierten Kita- und Schulfinanzierung wird offensichtlich.

  8. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Zusatzerhebungen im Rahmen der verpflichtenden Schuleingangsuntersuchung (SEU) erfreuen sich wachsender Popularität in der gesundheitswissenschaftlichen Forschung, auch weil die SEU potenziell alle sozialen Schichten gleichermaßen erreicht. Ob bei freiwilligen Zusatzbefragungen tatsächlich keine selektive Teilnahme entlang sozioökonomischer Merkmale auftritt, ist jedoch kaum erforscht. Diese Arbeit untersucht daher die Teilnahme potenziell schwer erreichbarer Familien an einer Elternbefragung bei der SEU.

    Methode

    Die Daten stammen aus einer an die SEU gekoppelten Befragung zur Nutzung kommunaler Präventionsangebote einer Kommune in Nordrhein-Westfalen. Verglichen wurden Familien mit niedriger vs. höherer Bildung (CASMIN-Klassifikation), Familien mit und ohne Migrationshintergrund (mindestens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren) sowie Eineltern- mit Zweielternfamilien. Mittels logistischer Regression wurde überprüft, ob sich Teilnahme (n = 3410) und Nichtteilnahme (n = 346) in Abhängigkeit von den genannten Indikatoren unterschieden.

    Ergebnisse

    Familien mit niedriger Bildung waren etwas häufiger unter den Teilnehmern (relativer Anteil 11,2 % vs. 8,8 % bei Nichtteilnehmern; Odds Ratio (OR) 1,29; 95 % Konfidenzintervall (KI) 0,85–1,95). Bei Einelternfamilien war die Teilnahme etwas seltener (14,1 % vs. 17,7 %; OR 0,75; 95 % KI 0,55–1,02). Familien mit Migrationshintergrund waren signifikant häufiger unter den Teilnehmern (52,9 % vs. 46,1 %; OR 1,27; 95 % KI 1,01–1,60).

    Diskussion

    Schwer erreichbare Familien konnten in einem zufriedenstellenden Ausmaß für eine freiwillige Zusatzbefragung bei der SEU rekrutiert werden. Dies verdeutlicht das Potenzial der SEU für die populationsbezogene Grundlagen- und Evaluationsforschung.

  9. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Die Förderung gesundheitsförderlicher Ernährungsstile und alimentärer (die Ernährung betreffender) Teilhabe ist ein wesentlicher Aspekt von integrierten Gesamtansätzen kommunaler Gesundheitsförderung für Kinder. Mit Blick auf die hierbei im Fokus stehende Zielgruppe der Kinder aus sozial benachteiligten Familien wird den Settings Kindertagesstätte (Kita) und Grundschule besondere Bedeutung zugeschrieben.

    Fragestellungen

    Wie beschreiben Praxisexpert*innen und Eltern Status quo, Potenziale und Hemmnisse der Etablierung gesundheitsförderlicher Ernährungspraxen in den Settings Kita und Grundschule?

    Welchen Stellenwert haben Ernährung und alimentäre Teilhabe aus Sicht von Praxisexpert*innen im Rahmen des integrierten Gesamtansatzes?

    Methode

    In zwei Städten wurden Experteninterviews mit Schlüsselakteuren der vernetzten kommunalen Gesundheitsförderung und Leitungskräften aus Kita und Grundschule geführt. Die Perspektive von Eltern in prekären Verhältnissen bzw. mit Zuwanderungsgeschichte wurde in Gruppendiskussionen exploriert.

    Ergebnisse

    Das Thema Ernährung nimmt in den Narrationen von Fachkräften und Eltern einen breiten Raum ein. Kitas und Grundschulen nutzen den alltäglichen Umgang mit Lebensmitteln sowie gemeinsame Mahlzeiten in vielfältiger Weise, um das Erleben und Erlernen gesundheitsförderlicher Ernährungspraxis und die alimentäre Teilhabe zu fördern. Deutlich wird, dass Kita und Schule in zunehmendem Maße der Delegation von Erziehungsverantwortung und Ernährungsarmut begegnen müssen. Eltern nehmen die Bemühungen von Kita und Schule anerkennend wahr, beklagen aber, dass das Essen in der Schule unter prekären räumlichen Bedingungen und immensem Zeitdruck stattfinden muss.

    Diskussion

    Ernährung wird von den Expert*innen als gesundheitsrelevante Ressource genutzt, aber anders als Bewegung oder seelische Gesundheit ohne Bezug zur integrierten kommunalen Gesundheitsförderung thematisiert. Die Förderung alimentärer Teilhabe und gesundheitsförderlicher Ernährungspraxis könnte größere Wirkungen entfalten, wenn die Akteure sie als wesentlichen Teil der kommunalen Gesundheitsförderung wahrnehmen würden.

  10. Zusammenfassung

    Dieser Artikel widmet sich der Frage der kindlichen seelischen Gesundheit im Kontext der ethnischen Herkunft, unterschiedlicher sozioökonomischer Ausstattung der Familien sowie der Inanspruchnahme von Maßnahmen der kommunalen Gesundheitsförderung. Für diesen Beitrag wurden die durch das Projekt „Gesund Aufwachsen“ aus elf Einrichtungen erhobenen Daten von Kindern im Kindergarten- und Schulalter, Eltern und pädagogischen Fachkräften ausgewertet. Berichtet werden die quantitativen Ergebnisse in den Bereichen Resilienz sowie Stärken und Schwächen der Kinder. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Kinder mit Migrationshintergrund von den Kindern ohne Migrationshintergrund kaum unterscheiden. Lediglich geringe Unterschiede ließen sich zwischen Klassenstufen und den Geschlechtern identifizieren. Auch im Hinblick auf soziökonomische Merkmale wie etwa Bildungsstatus, Einkommen und den Bezug staatlicher Unterstützungsleistung waren die Zusammenhänge mit der gesunden psychischen Entwicklung der Kinder geringer als erwartet. Mit Blick auf die Teilnahme an den kommunalen Gesundheitsförderangeboten wurde deutlich, dass diese weitestgehend von Eltern in Anspruch genommen werden, die nicht die primäre Zielgruppe solcher Angebote bilden.

  11. Zusammenfassung

    In diesem Beitrag werden die Herausforderungen der Evaluation komplexer Interventionen zur Gesundheitsförderung in kommunalen Settings dargelegt. Anhand von zwei Beispielen – dem Präventionsnetzwerk Ortenaukreis und dem Projekt „Lenzgesund“ Hamburg – werden empirische Umgehensweisen und Lösungen beschrieben. Dabei wurden projektübergreifend fünf zentrale Grundprinzipien extrahiert, die grundlegend für eine gegenstandsangemessene Evaluation sind und die es erlauben, Wirkungszusammenhänge jenseits der RCT-Designs herauszuarbeiten: 1) detaillierte Beschreibung der jeweiligen Intervention und ihrer Ziele, 2) möglichst Verbindung von Konzept‑, Struktur‑, Prozess- und Ergebnisevaluation, 3) multimethodales und multimodales Vorgehen, 4) Partizipation und 5) Analyse von summativen Evaluationsdaten und Implementationsfaktoren.

  12. Zusammenfassung

    In Deutschland wurden seit dem Jahr 2002 verschiedene Tabakkontrollmaßnahmen ergriffen. Dazu gehören Tabaksteuererhöhungen, Werbe- und Abgabebeschränkungen, Nichtraucherschutzgesetze und Warnhinweise auf Tabakverpackungen. All diese Regelungen haben dazu beigetragen, dass sich – vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen – ein deutlicher Trend zum Nichtrauchen abzeichnet und sich seither auch der Zigarettenabsatz von 145,1 Mrd. Stück auf 75,8 Mrd. Stück im Jahr 2017 fast halbiert hat. Dennoch sind in Deutschland immer noch rund 13 % aller Todesfälle durch das Rauchen bedingt.

    Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass andere Länder wesentlich konsequenter als Deutschland deutlich strengere Tabakkontrollmaßnahmen umsetzen. So ist Deutschland das einzige Land in der EU, das noch immer uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt; der Nichtraucherschutz ist hierzulande aufgrund von Ausnahmeregelungen lückenhaft und seit mehr als zehn Jahren gab es keine spürbaren Tabaksteuererhöhungen mehr. Weltweit haben über 30 Länder bereits vier der sechs laut der Weltgesundheitsorganisation bedeutendsten Tabakkontrollmaßnahmen auf höchstmöglichem Niveau umgesetzt – Deutschland hingegen lediglich zwei. Daher gehört Deutschland im internationalen Vergleich in der Tabakkontrolle zu den Schlusslichtern und belegt auf der europäischen Tabakkontrollskala den vorletzten Platz. Es sind dringend konsequente Tabakkontrollmaßnahmen notwendig, damit Deutschland beim Schutz der Bevölkerung vor den massiven Gesundheitsgefahren des Rauchens die Position erreicht, die einer führenden Industrienation angemessen ist.

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