Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Arzneimittelbezogene Probleme (ABP) sind eine signifikante und häufig vermeidbare Ursache für Morbidität und Mortalität. Bei einem Krankenhausaufenthalt sind, vor allem durch eine fehlende Weitergabe von Informationen, die Übergänge zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor mit einem hohen Risiko für ABP assoziiert. Gleichzeitig erfordern medizinische Interventionen während des Krankenhausaufenthaltes meist eine Änderung der Arzneimitteltherapie und steigern so zusätzlich das Risiko für ABP. ABP können dabei auf allen Ebenen des Medikationsprozesses auftreten und durch verschiedene Berufsgruppen verursacht werden. Eine Möglichkeit, die Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus zu verbessern, ist die Einbindung von Stationsapothekern in den Medikationsprozess.

    Die verfügbaren Daten zeigen, dass Stationsapotheker als Teil des multiprofessionellen Teams bei Aufnahme, Krankenhausaufenthalt und Entlassung signifikant dazu beitragen können, ABP zu reduzieren, die Arzneimitteltherapie effektiver zu gestalten und Kosten zu senken. Zusätzlich kann durch die Arzneimittelversorgung mit Unit-Dose-Systemen (patientenindividuelle Zusammenstellung der Arzneimittel) und die Digitalisierung des Medikationsprozesses eine Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit erreicht werden. Eine strukturierte Arzneimittelanamnese und die lückenlose Weitergabe von versorgungsrelevanten Informationen bei der Entlassung (Entlassmanagement) tragen zur Verbesserung der Versorgungskontinuität und signifikanten Reduktion von arzneimittelbezogenen Rehospitalisierungen und Notaufnahmen bei, was sich in reduzierten Kosten wiederfindet. Hier sind die Krankenhausapotheker mit einer Spezialisierung im Bereich der klinischen Pharmazie aufgrund ihrer universitären Ausbildung die einzige Berufsgruppe, die den Arzt im Bereich der Arzneimitteltherapie umfassend unterstützen kann.

  2. Zusammenfassung

    Nebenwirkungen von Arzneimitteln sind ein relevantes Problem im klinischen Alltag. Teilweise beruhen sie nicht auf dem Arzneimittel an sich, sondern auf Fehlern bei der Anwendung („Medikationsfehler“) und sind somit vermeidbar. Durch eine Erweiterung der Definition für den Begriff „Nebenwirkung“ in der Europäischen Pharmakovigilanzrichtlinie werden seit 2012 auch medikationsfehlerbedingte Reaktionen als Nebenwirkungen eingestuft. Dies hat zur Folge, dass auch Medikationsfehler im Pharmakovigilanzsystem erfasst werden. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), ein Partner im deutschen Pharmakovigilanzsystem, hat von 2015 bis 2017 ein Projekt zur Erfassung und Bewertung von Medikationsfehlern durchgeführt, das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert wurde. In dem Projekt wurde untersucht, ob es möglich ist, im Rahmen des langjährig existierenden Spontanmeldesystems auch Medikationsfehler zu erfassen, und ob durch Analyse der gemeldeten Fallberichte Rückschlüsse auf risikomindernde Maßnahmen abgeleitet werden können. Die etablierten Strukturen der AkdÄ wurden auf allen Ebenen der Fallbearbeitung genutzt. In der vorliegenden Übersichtsarbeit werden anhand von Fallbeispielen aus dem Projekt Erfahrungen der AkdÄ im Umgang mit Medikationsfehlern mitgeteilt und dargestellt, wie Fallberichte zu einer verbesserten Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen können. Durch das Projekt wurde eine Lücke im Bereich der Arzneimitteltherapiesicherheit geschlossen.

  3. Zusammenfassung

    Bei Kindern und Jugendlichen treten Medikationsfehler häufiger auf als bei Erwachsenen, da die Evidenz oft fehlt und die Zulassung vieler Medikamente für diese Altersgruppen eingeschränkt oder gar nicht vorhanden ist.

    Die Ursachen von Medikationsfehlern sind auf verschiedenen Ebenen angesiedelt und betreffen z. B. fehlende Studien zur richtigen Dosis und zur Wirksamkeit v. a. in jüngeren Altersgruppen, den Mangel an kindgerechten Darreichungsformen, die Verwendung schädigender Hilfsstoffe sowie die komplizierte und risikoreiche ärztliche Verordnung.

    Elektronische Systeme können die Verordnungsqualität in Kliniken verbessern und Medikationsfehler reduzieren. Voraussetzung dafür ist eine valide, evidenzbasierte Datenbasis. Im Gegensatz zu anderen Ländern steht eine solche in Deutschland bislang nicht zur Verfügung. Der Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland 2016–2019 des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) enthält die Maßnahme „Schaffung einer Datenbank zur Dosierung von Arzneimitteln für Kinder“, für welche eine 2‑jährige Anschubfinanzierung vom BMG geleistet wird.

    Durch systematische Literaturrecherchen und die Bereitstellung des aktuellen Wissens über Kinderarzneimittel kann die Arzneimitteltherapiesicherheit bei Kindern erhöht werden. Eine Datenbank mit für die pädiatrische Arzneimittelverordnung relevanten Informationen ist hier zielführend. Der Aktionsplan hat die richtigen Weichen für die Verbreitung evidenzbasierter Arzneimittleinformationen für Kinder in Deutschland gelegt.

  4. Zusammenfassung

    Trotz bekannter positiver Auswirkungen für gestillte Kinder und ihre Mütter wird nur etwa jeder dritte Säugling in Deutschland im Alter von vier Monaten ausschließlich gestillt. Es besteht zudem kaum ein Überblick über Strukturen, Akteure und Maßnahmen zur Stillförderung in Deutschland. In einem zweijährigen internationalen Forschungsprojekt mit dem Titel „Becoming Breastfeeding Friendly“ (BBF) werden stillförderliche und -hinderliche Faktoren auf Grundlage des von der Yale School of Public Health entwickelten Breastfeeding Gear Model (BFGM) systematisch erfasst. Dazu bewerten Experten aus den Fachgesellschaften der relevanten Gesundheitsberufe, Wissenschaft, Politik und Kommunikation 54 Prüfkriterien (Benchmarks) in den acht Handlungsfeldern: Anwaltschaft, politischer Wille, Gesetzgebung, Finanzierung, Bildung, Werbung, Forschung & Evaluation, Zielsetzung & Koordination. Das Ergebnis ist Grundlage, um gezielt effiziente und nachhaltige Maßnahmen zur Stillförderung zu planen und zu begleiten. Durch die Identifizierung von Stärken und Handlungsbedarfen können konkrete Handlungsempfehlungen („calls to action“) zur Stillförderung abgeleitet und priorisiert werden. Das im September 2017 gestartete Forschungsprojekt wird auf Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vom Netzwerk Gesund ins Leben und der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gemeinsam mit der Yale School of Public Health durchgeführt. Es untersucht die Rahmenbedingungen für das Stillen und liefert damit einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsförderung von Mutter und Kind und zum Stillschutz in Deutschland.

  5. Zusammenfassung

    Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2008 den Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ins Leben gerufen. Der Aktionsplan umfasst Maßnahmen zur Vermeidung von Medikationsfehlern. An der Umsetzung des Aktionsplans wirken die auf Bundesebene angesiedelten Verbände aller am Medikationsprozess beteiligten Berufsgruppen sowie Patientenverbände mit. Die Bedeutung des Themas AMTS ist wissenschaftlich und auch politisch anerkannt. Es bedarf weiterer Anstrengungen, Erkenntnisse aus den Aktionsplänen in verbindlichen Regelungen umzusetzen, um in Deutschland eine flächendeckende Implementierung und damit eine weitere spürbare Verbesserung der AMTS zu erreichen.

  6. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Trotz der unstrittigen Vorteile des Stillens hat öffentliches Stillen in der Vergangenheit zu medienwirksamen Kontroversen geführt. Deshalb wurde untersucht, welche Einstellungen in der Bevölkerung gegenüber dem öffentlichen Stillen vorherrschen und welche Erfahrungen stillende Mütter in der Öffentlichkeit machen.

    Ziel der Arbeit

    Ziel der Arbeit ist die Erhebung aktueller Daten zur Wahrnehmung und Akzeptanz von öffentlichem Stillen.

    Material und Methoden

    1003 Personen aus der Allgemeinbevölkerung ab 14 Jahren und 306 Mütter mit Kindern im Stillalter wurden mittels computergestützter Onlineinterviews zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit befragt.

    Ergebnisse

    6 % der Mütter berichteten von eher oder sehr negativen Erfahrungen beim Stillen in der Öffentlichkeit. 66 % der Bevölkerungsstichprobe finden grundsätzlich, dass Stillen immer und überall möglich sein sollte, im Vergleich zu 80 % der Mütter (p < 0,05). Besondere Unterschiede zeigten sich beim Stillen in Restaurants und Cafés. Obwohl nur knapp 50 % der Bevölkerungsstichprobe das Stillen hier befürworten, wird es von den Müttern mehrheitlich nicht vermieden (54 %). Insgesamt geht das Wissen über die Vorteile des Stillens mit einer größeren Akzeptanz von öffentlichem Stillen einher. Für die Gruppe von Personen mit einer ablehnenden Haltung zum Stillen in der Öffentlichkeit (6 %) wurden keine besonderen demografischen Merkmale beobachtet.

    Diskussion

    Basierend auf den vorliegenden Ergebnissen lässt sich keine spezielle Zielgruppe in der Bevölkerung zur Verbesserung der Akzeptanz des öffentlichen Stillens identifizieren. Jedoch wurde für bestimmte Orte und Situationen ein Konfliktpotenzial aufgezeigt, das die Entwicklung von Strategien zur Akzeptanzerhöhung ermöglicht.

  7. Zusammenfassung

    Da es an der Überlegenheit des Stillens gegenüber anderen Formen der Säuglingsernährung keinen Zweifel mehr gibt, stehen die Förderung des „ausschließlichen Stillens bis zu 6 Monaten und fortgesetzten Stillens bis zu 2 Jahren und darüber hinaus“ auf der höchsten weltweiten Ernährungsagenda; zuletzt im Beschluss der „Dekade für Ernährung“ (2016–2025) der Vereinten Nationen (UN). Diese Wertschätzung des Stillens resultiert aus Forschungsergebnissen und der Arbeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) während der letzten 20 Jahre sowie einer ausführlichen gesellschaftlichen, klinischen und akademischen Diskussion zum Thema „Stillen“.

    Während rund um die Jahrtausendwende die Diskussion um die optimale Dauer des ausschließlichen Stillens geführt wurde, stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Frage nach effektiven Maßnahmen, die die Stillpraxis verbessern, im Vordergrund, da die gegenwärtige Stillpraxis weit hinter den Zielen zurückliegt. Obwohl in den Ländern des südlichen Afrikas fast alle Kinder gestillt werden, sind die Raten des ausschließlichen Stillens deutlich niedriger und unzureichend. Trotz der kulturellen Vielfalt auf dem afrikanischen Kontinent finden sich hier gemeinsame Haltungen zu Themen wie Mutterschaft, Muttermilch, Säuglingsernährung und zur Verantwortung der Familie.

    In der Region ergeben sich durch die hohen mütterlichen HIV-Infektionsraten und die immer noch hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit besondere Herausforderungen. Durch die effektive antiretrovirale Therapie ist es inzwischen auch für HIV-infizierte Frauen möglich und sicher, ihre Kinder zu stillen und ihnen ein HIV-freies Überleben zu ermöglichen. Hier gibt es aber noch Verbesserungsbedarf bezüglich der Verfügbarkeit der antiretroviralen Therapie und der Compliance sowie Forschungsbedarf zu den langfristigen Auswirkungen der antiretroviralen Therapie auf Gesundheit, Wachstum und Entwicklung der betroffenen Säuglinge und Kinder.

  8. Zusammenfassung

    Bei den Auswirkungen des Stillens auf die mütterliche Gesundheit kann zwischen Kurzzeit- und Langzeiteffekten unterschieden werden. Zu diesem Thema wurde eine Literaturrecherche durchgeführt und es wurden soweit wie möglich Metaanalysen eingebracht.

    Als Kurzzeiteffekte des Stillens können genannt werden: raschere Rückbildung der Gebärmutter, Reduktion von Stress, Verringerung des Risikos für eine postpartale Depression, Gewichtsreduktion sowie Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs), welche einen kurzzeitigen Effekt auf die Reduktion der Fertilität bedingt. Als Langzeiteffekte werden in vielen Studien die Reduktion von Brustkrebs sowie von Ovarial- und Endometriumkarzinomen erörtert. Die Reduktion des metabolischen Syndroms, des Auftretens von Typ-II-Diabetes und koronarer Herzerkrankungen finden sich in einigen Studien wieder. Insgesamt ist ein meist dosisabhängiger, also von der Länge des Stillens beeinflusster Effekt nachzuweisen. Lediglich hinsichtlich der Osteoporoseprotektion und der postnatalen Depression bleibt die Datenlage unklar.

  9. Zusammenfassung

    In den letzten Jahren konnte der immense Vorteil der Muttermilchernährung für Frühgeborene belegt werden: in Bezug auf die Infektionsabwehr, die Entwicklung und Reifung des Gastrointestinaltraktes, die neurologische Entwicklung und die Reduktion der Inzidenz schwerer Frühgeborenenerkrankungen wie nekrotisierende Enterokolitis, Frühgeborenenretinopathie und chronische Lungenerkrankung von Frühgeborenen. Zusätzlich sind positive Effekte für die maternale Gesundheit messbar. Aus der Muttermilchernährung resultierende positive ökonomische Langzeiteffekte für öffentliche Gesundheitssysteme sind belegt worden.

    Nach den Empfehlungen internationaler Leitlinien steht bei der Ernährung von Frühgeborenen die Milch der eigenen Mutter an erster Stelle, gefolgt von gespendeter Frauenmilch aus einer etablierten Milchbank. Um die besonderen nutritiven Bedürfnisse der Frühgeborenen zu erfüllen und eine extrauterine Wachstumsretardierung zu minimieren, muss humane Milch mit Makro- und Mikronährstoffen angereichert werden. Des Weiteren sind mikrobielle und hygienische Aspekte bei der für Frühgeborenen notwendigen Aufbereitung von Muttermilch zu beachten.

    Die Initiierung und Aufrechterhaltung der Laktation stellt für Mütter von Frühgeborenen eine besondere Herausforderung dar. Die spezifische Unterstützung der Mütter durch geschultes Personal, optimale Umgebungsbedingungen, Pumpequipment und die Erfahrungen des gesamten neonatologischen Teams tragen zu einer über die Entlassung des Kindes hinausgehenden Laktation und zum Stillen bei.

  10. Zusammenfassung

    Hintergrund

    In Deutschland werden jährlich umfangreich finanzielle Ressourcen für die Gesundheitsforschung aufgewendet. Dennoch fehlen bisher detaillierte quantitative Angaben zu Gebern und Empfängern der Finanzierung der Gesundheitsforschung.

    Ziel der Arbeit

    Ziel dieser Arbeit war es darzustellen, welche Institutionen in welchem Umfang Forschung finanzieren und welche Forschungseinrichtungen in welchem Umfang für ihre Forschung finanziert werden.

    Material und Methoden

    Für das Beispieljahr 2013 wurde zunächst in öffentlich zugänglichen Quellen nach relevanten Daten recherchiert. Fehlende Daten wurden direkt bei den jeweiligen Institutionen angefragt. Konnten auch dann keine aussagekräftigen Daten ermittelt werden, wurden diese entweder näherungsweise bestimmt oder als fehlend gekennzeichnet.

    Ergebnisse

    Im Jahr 2013 wurden in Deutschland ca. 10,14 Mrd. EUR für Gesundheitsforschung verausgabt. Die wichtigsten Forschungsförderer waren privatwirtschaftliche Unternehmen und staatliche Einrichtungen, die 58 % bzw. 36 % der Forschungsausgaben finanzierten. Unternehmen förderten mit 93 % ihrer Mittel privatwirtschaftliche Forschungseinrichtungen, staatliche Stellen mit 92 % ihrer Mittel Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Insgesamt entfielen 55 % der Forschungsmittel auf privatwirtschaftliche Forschungseinrichtungen, 34 % auf den Hochschulsektor, 9 % auf den außeruniversitären Forschungssektor und 2 % auf Bundeseinrichtungen mit Forschungsaufgaben.

    Diskussion

    Für Gesundheitsforschung werden in Deutschland erhebliche finanzielle Ressourcen verausgabt, von denen Wirtschaftsunternehmen einen Großteil zur Verfügung stellen. Im internationalen Vergleich erfolgt die Finanzierung der Gesundheitsforschung in Deutschland nach einem ähnlichen Muster.

  11. Zusammenfassung

    Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) stellt den weltweit verbindlichen Standard zur Erstellung der Todesursachenstatistik dar.

    Fragestellungen: Welche Effekte haben bisherige Revisionen der ICD auf die Todesursachenstatistik und welche Chancen und Herausforderungen zeichnen sich beim möglichen Übergang von der ICD-10 zur ICD-11 ab?

    Es wird die Ausschöpfung der ICD-9 und ICD-10 durch die deutsche Todesursachenstatistik sowie die Dokumentationsqualität berechnet. Verwendet werden die Ergebnisse der amtlichen Todesursachenstatistik und 67.000 Todesbescheinigungen, die mit dem Kodiersystem Iris/MUSE verarbeitet werden.

    Neben einer deutlichen Veränderung des Ausschöpfungsgrades beim Übergang von ICD-9 nach ICD-10 werden regionale Effekte sichtbar. Der Anteil schlecht beschriebener unikausaler Todesursachen liegt bei über 10 %.

    Trotz umfangreicher Verbesserungen der ICD-Revisionen gibt es seit Jahren bekannte Defizite bei der Festlegung der Todesursachen, der Ausstellung der Todesbescheinigung und bei der Qualität der Signierung. Um das Potenzial der ICD in Deutschland besser auszuschöpfen, erscheinen folgende Maßnahmen prioritär: 1. vollumfängliche Nutzung von Iris/MUSE, 2. Etablierung einer multikausalen Todesursachenstatistik, 3. Einführung einer elektronischen Todesbescheinigung, 4 Verbesserung der ärztlichen Todesursachenerfassung.

    Mit der in Kürze von der WHO bereitgestellten 11. Revision der ICD eröffnen sich zusätzliche Perspektiven für die Weiterentwicklung der Todesursachenstatistik in Wissenschaft, Public Health und Politik. Ein abgestimmtes Vorgehen unter Einbeziehung von Prozessbeteiligten und Nutzergruppen ist erforderlich, um den damit verbundenen Herausforderungen gerecht zu werden.

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