Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Aufgrund des Klimawandels muss auch in Deutschland mit häufigeren und längeren Hitzewellen gerechnet werden. Besonders ältere Menschen sind von hitzebedingten Gesundheitsproblemen und einer erhöhten Sterblichkeit betroffen. Hitzeaktionspläne zeigen bislang wenig Wirkung. Es gilt, weitere Zugangswege zur Prävention zu finden.

    In einem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt wurden dazu die Arbeitswelten hausärztliche Versorgung, ambulante Pflege, Krankenhaus und stationäre Pflege bewertet. Es wurden Workshops durchgeführt, deren Ergebnisse im vorliegenden Beitrag dargestellt werden.

    Da in Kliniken und Pflegeheimen von ausreichendem Fachwissen und einer kontinuierlichen Betreuung ausgegangen werden kann, liegt das Hauptproblem im Zugangsweg der ambulanten Versorgung von allein lebenden, hilfsbedürftigen älteren Menschen durch Hausärzte und ambulante Pflege. Aufgrund unzureichender personeller Ressourcen kann eine aufsuchende Versorgung an Tagen mit extremer Hitze nicht erfolgen. Die Erfahrungen anderer Länder zeigen, dass hierfür andere Wege gefunden werden müssen. Die Hauptaufgabe der Ärzte sollten deshalb die Identifikation und Beratung von Hitzerisikopatienten sein. Die Erfahrungen aus früheren Jahren zeigen, dass die formellen Strukturen der pflegerischen und ärztlichen Versorgung die katastrophalen Folgen einer Hitzewelle nicht verhindern können und die personellen Schäden erheblich sind.

    Ein möglicher Lösungsansatz besteht in der Einbindung des in Deutschland gut entwickelten ehrenamtlichen Katastrophenschutzes. Dieser könnte nach Ausrufen eines Hitzekatastrophenfalls in enger Kooperation mit den Hausärzten in Aktion treten. Ein Register für Hitzerisikopatienten wäre in diesem Zusammenhang eine Voraussetzung. Die Umsetzbarkeit des Ansatzes muss auf politischer Ebene geprüft und geregelt werden.

  2. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Die Maserninzidenz in den 53 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zurückgegangen. Die Verifizierungskommission der Europäischen Region für die Eliminierung der Masern und Röteln (RVC) stellte fest, dass Ende 2017 in 43 Mitgliedstaaten eine endemische Übertragung der Masern seit zwölf Monaten oder länger nicht mehr stattgefunden hatte. Allerdings nahm die Maserninzidenz in der Region 2018 im Vergleich zu 2017 stark zu. Dieser Beitrag bewertet den aktuellen Stand in Bezug auf das Ziel, Masern in der Region zu eliminieren. Es werden Überlegungen zu Herausforderungen und Maßnahmen dieses Ziel zu erreichen angestellt.

    Methodik

    Die hier vorgestellten Daten für 2017 und 2018 (Stand: 01.02.2019) wurden von den 53 Mitgliedstaaten vorgelegt. Der Eliminierungsstand der Masern in den Ländern wurde aus dem Bericht von 2018 über die 7. Sitzung der RVC entnommen.

    Ergebnisse

    Für das Jahr 2017 meldeten 44 Länder in der Europäischen Region insgesamt 25.863 Masernfälle. Für 2018 wurden aus 47 Ländern 82.596 Masernfälle gemeldet. Davon stammen die meisten Fälle aus der Ukraine (64 %) und aus Serbien (6 %). Das Alter war in 82.588 Fällen bekannt: 8 % der Infizierten waren <1 Jahr alt, 17 % 1–4 Jahre, 38 % 5–19 Jahre und 37 % waren 20 Jahre oder älter. Daten zum Impfstatus lagen für 76 % der Infizierten vor, von denen 62 % nicht geimpft worden waren. Zehn Länder meldeten insgesamt 72 Sterbefälle im Zusammenhang mit Masernerkrankungen.

    Schlussfolgerungen

    Für die Eliminierung der Masern in der Europäischen Region sind eine hohe Immunitätsrate in der Bevölkerung und eine genaue epidemiologische Überwachung weiterhin von wesentlicher Bedeutung. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich alle Mitgliedsstaaten langfristig politisch engagieren.

  3. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Die akut-auf-chronische Nierenschädigung (AKI-auf-CKD) verläuft bei verzögerter Diagnosestellung und Untertherapie durch die Auslösung einer Vielzahl an Pathomechanismen komplikationsreich.

    Ziel der Arbeit

    Bei Patienten mit AKI-auf-CKD sollten Behandlung, klinischer Verlauf und sektorenübergreifende Informationsübermittlung evaluiert und in definierten Subgruppen analysiert werden (chirurgisch vs. nichtchirurgisch und nephrologisch vs. nichtnephrologisch mitbetreut).

    Material und Methoden

    An einem Universitätsklinikum wurden bei Patienten mit AKI-auf-CKD klinische und dokumentarische Maßnahmen untersucht. Zur Ermittlung von Risikofaktoren für Krankenhaus- bzw. 180-Tage-Letalität wurde eine Cox-Regression durchgeführt.

    Ergebnisse

    Bei 38 (25,3 %) der 150 Patienten mit AKI-auf-CKD lag eine progrediente Nierenschädigung vor. Bei 19 Patienten (12,7 %) wurde ein akutes Dialyseverfahren erforderlich. 30 Patienten (20,0 %) verstarben im Krankenhaus. Eine für AKI mitursächliche arterielle Hypotonie wurde bei 28/76 Patienten (36,8 %) behandelt. Die Gabe von Nephrotoxinen wurde bei 5/26 Patienten (19,2 %) beendet. Der Flüssigkeitshaushalt wurde bei einem Drittel der Patienten überwacht. Ein fachspezifisches Konsil wurde für 38 Patienten (25,3 %) angefordert (Median 24,0 h nach AKI-Beginn). Renale Akutkomplikationen (n = 74; 49,3 %) waren ein unabhängiger Risikofaktor für Krankenhausletalität (ExpB 6,5; p = 0,022) bzw. 180-Tage-Letalität (ExpB 3,3; p = 0,034). Ambulant weiterbehandelnde Ärzte wurden in 42 Fällen (28,0 %) über AKI-auf-CKD informiert. Bei 14 von 120 den Krankenhausaufenthalt überlebenden Patienten (11,7 %) wurde im Entlassungsarztbrief eine ambulante Kontrolle der Nierenfunktion empfohlen.

    Diskussion

    Versorgungslücken in der Akutbehandlung und der sektorenübergreifenden Informationsübermittlung bei Patienten mit AKI-auf-CKD wurden aufgezeigt.

  4. Zusammenfassung

    In Deutschland befindet sich eine steigende Anzahl telemedizinischer Modellvorhaben in der Umsetzungsphase. All diese Projekte haben gemeinsam, dass sie laufend hochsensible digitale Daten produzieren, speichern und austauschen. Eine Grundvoraussetzung für rechtskonform umgesetzte Projekte ist ein umfassendes Datenschutzkonzept, gerade nach Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018.

    Die Erstellung eines Datenschutzkonzeptes für ein telemedizinisches Projekt wird im vorliegenden Beitrag am Beispiel des Versorgungsprojekts „Virtuelle Diabetesambulanz für Kinder und Jugendliche“ (ViDiKi) dargestellt, welches am 01.04.2017 startete und durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert wird. Zunächst werden die rechtlichen Grundlagen für den Datenschutz und die diesbezüglichen Herausforderungen bei der Anwendung neuer Kommunikationstechnologien erläutert. Darauffolgend werden die Erstellung und der Aufbau des Datenschutzkonzeptes beschrieben.

    Das Datenschutzkonzept für ein Projekt verändert sich ständig. Es muss geprüft und regelmäßig evaluiert werden, um die Sicherheit der Patientendaten zu gewährleisten und um Datenströme, Datenspeicherung und Datenverarbeitung zu regeln. So kann in der Praxis ein sicherer und rechtskonformer Datenaustausch zwischen Studienteilnehmern und Ärzten gelingen.

  5. Zusammenfassung

    Internetbezogene Störungen stellen eine zunehmende Herausforderung für das psychosoziale Versorgungssystem und die Gesellschaft als Ganzes dar. Seit 10 Jahren setzt sich der Fachverband Medienabhängigkeit e. V. für die Kooperation von Forschung und Praxis ein, um den neuen Krankheitsbildern kompetent begegnen zu können. Unter dem Titel „Kategorisch nach 10 Jahren“ veranstaltete der Verband im November 2018 sein alljährliches Symposium.

    In diesem Tagungsbericht werden zunächst Einblicke in die Geschichte des Symposiums gegeben. Über die Jahre referierten viele nationale und internationale Expertinnen und Experten, wodurch auch innerhalb des Fachverbands die Expertise weiter wachsen konnte. Im Mittelpunkt des aktuellen Symposiums stand die im Sommer 2018 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angekündigte Aufnahme der Diagnose „Gaming Disorder“ sowie weiterer internetbezogener Störungen in das Klassifikationssystem ICD-11.

    Unter internetbezogenen Störungen wird eine exzessive, sich großenteils der bewussten Kontrolle entziehende Nutzung von spezifischen Internetinhalten verstanden, die für Betroffene zu wiederholten negativen Konsequenzen und Funktionsbeeinträchtigungen führt. Das Störungsbild bezieht sich v. a. auf bestimmte Onlineaktivitäten (suchtartige Nutzung von Onlinecomputerspielen, -pornografie und sozialen Netzwerken).

    Das Symposium bot erneut die Gelegenheit des Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis. Das Angebot an Vorträgen und Workshops ermöglichte einen umfassenden Überblick über den Status quo und zu erwartende Entwicklungen in den Bereichen Diagnostik, Prävention und Intervention. Neue Gefährdungspotenziale, z. B. durch die zunehmende Verbreitung von Monetarisierungsstrategien in Computerspielen, wurden thematisiert.

  6. Zusammenfassung

    Die Immunogenität und Wirksamkeit von Impfstoffen werden in erster Linie von den enthaltenen Antigenen bestimmt. Die induzierte Immunantwort kann jedoch durch Zugabe von Wirkverstärkern in der Impfstoffformulierung, sog. Adjuvanzien, maßgeblich beeinflusst und gesteuert werden.

    Adjuvanzien sind stofflich sehr divers und durch ihren die Immunantwort verstärkenden Effekt gekennzeichnet. In diesem Beitrag werden Adjuvanzien, die Teil in der EU zugelassener Impfstoffe sind, vorgestellt und ihre immunologischen Wirkmechanismen beschrieben.

    Aluminiumsalze werden bereits seit 100 Jahren als Adjuvans eingesetzt. In jüngster Zeit wurde eine ganze Reihe neuartiger Adjuvanzien entwickelt und in zugelassene Impfstoffprodukte integriert. Viele der neuen Adjuvanzien führen nicht allein zu einer Erhöhung der impfstoffinduzierten Antikörpertiter, sondern zielen auch darauf ab, die Immunantwort in eine bestimmte Richtung zu lenken und gezielt zu modulieren. Die Suche nach innovativen Wirkverstärkern wurde wesentlich vorangetrieben bei der Entwicklung pandemischer Influenzaimpfstoffe. Durch Verwendung neuartiger Öl-in-Wasser-Emulsionen (Adjuvanzien MF 59 und AS03) gelang es, Pandemieimpfstoffe zu entwickeln, die trotz deutlich verringertem Antigengehalt wirksam sind.

    Die Entwicklung neuer Adjuvanzien ist ein sehr dynamischer und zentraler Aspekt des Impfstoffdesigns: Vor einigen Jahren wurden Impfstoffe gegen das HPV-induzierte humane Zervixkarzinom und Hepatitis B zugelassen, die den Toll-like-Rezeptor-4-Agonisten MPL (3-O-Desacyl-monophosphoryl Lipid A) als Adjuvansbestandteil enthalten. Jüngst wurde in Europa ein Impfstoff gegen Herpes Zoster zugelassen, der als Adjuvans eine Kombination aus MPL und dem Saponin QS21 enthält, die auch im Malaria- und im Hepatitis-B-Impfstoff des Herstellers zur Anwendung kommen.

  7. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2019

    https://doi.org/10.1007/s00103-019-02877-2

    Der Artikel Früherkennung der Alzheimer-Krankheit und Ansätze der Prävention von Frank Jessen wurde ursprünglich am 24. Januar 2019 ohne „Open Access“ online auf der Internetplattform des Verlags publiziert. Die …

  8. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2018

    https://doi.org/10.1007/s00103-018-2761-8

    Die Originalveröffentlichung dieses Artikels enthielt einen Fehler in der Autorenliste, in der der beitragende Autor Herr Professor Johannes G. Liese fehlte. Die Autorenliste wurde nun …

  9. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2019

    https://doi.org/10.1007/s00103-019-02878-1

    Der Artikel Prävention von Mangelernährung in der stationären Pflege am Beispiel des DNQP-Expertenstandards „Ernährungsmanagement“ wurde ursprünglich am 22. Januar 2019 ohne „Open Access“ online auf der Internetplattform …

  10. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl 2019

    https://doi.org/10.1007/s00103-019-02879-0

    Der Artikel Gesundheitsförderung in der stationären Langzeitversorgung von Stefan Blüher und Adelheid Kuhlmey wurde ursprünglich am 24. Januar 2019 ohne „Open Access“ online auf der Internetplattform des Verlags …

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